Adopted

Montag, 10. Juni 2013

23.30 – 00.55 arte
Doku, Deutschland, 2007, ZDF. Regie: Rouven Rech, Gudrun F. Widlok.

„Afrikaner zeigen Herz für einsame Deutsche“ lautete die Schlagzeile eines Berichts über die Organisation „Adopted“, die Europäer ohne familiäre Bindungen an Pateneltern in Afrika vermittelt. Großfamilien in Ghana freuen sich schon auf die bevorstehende Zusammenführung mit ihren neuen Familienmitgliedern. Kann so etwas wirklich funktionieren?

Afrikanische Familien „adoptieren“ Erwachsene aus Europa, die ihren eigenen Familien entfremdet sind. Die Organisation „Adopted“ vermittelt diesen ungewöhnlichen interkulturellen Austausch.

Ludger lebt in Berlin. Enttäuscht von der Gefühlsarmut seines Umfelds und isoliert von Freunden und Familie sucht er einen Ausweg. Er meldet sich bei „Adopted“ und wird schneller als erwartet ausgewählt. Auch Thelma aus Island studiert in Berlin. Sie kann es kaum erwarten, ihre neue Familie kennenzulernen, die in Accra, der Hauptstadt Ghanas, lebt und die Patenschaft für sie übernommen hat. Thelma packt die Koffer, verschenkt ihre Möbel und fliegt los. Vielleicht ist es ein Abschied von Europa für immer? Und auch Gisela ist unruhig. Seit dem Tod ihres Mannes weiß sie nicht mehr, wo sie hingehört. Das Haus ist zu groß, die Bindung an den Wohnort nicht wirklich eng, und die Kinder leben weit entfernt. Was soll also werden? Im Radio hört sie von „Adopted“ und nimmt Kontakt auf.

In ihrem Dokumentarfilm erzählen die Filmemacher Gudrun F. Widlok und Rouven Rech aus dem Leben dieser drei Menschen, von deren Weg nach Westafrika und von einem Prozess erwarteter Annäherung und unvermeidbarer Missverständnisse.

Zusatzinfo:
Der Dokumentarfilm hat sich aus einem Ausstellungsprojekt der bildenden Künstlerin Gudrun F. Widlok entwickelt, das sie „Adopted“ nannte: Eine fiktive Dokumentation über afrikanische Familien, die in „Patenschaften“ bindungslose Europäer in ihre Großfamilien aufnehmen. Doch erstaunlich viele Ausstellungsbesucher hielten das Projekt für real und wollten daran teilnehmen. So „erzwangen“ sie durch ihr Interesse die Realisierung der Verbindungen zu den afrikanischen Familien, und schließlich wurde zur Realität, was als Kunstprojekt angefangen hatte.

Gudrun F. Widlok studierte Fotografie/Film/Gestaltung an der Folkwangschule Essen und an der Hochschule für Angewandte Kunst Wien. Arbeits-und Studienaufenthalte führten sie nach Simbabwe, Namibia, Südafrika, Botsuana, Malawi und Sambia. Ihr besonderes Interesse gilt der Auflösung der Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Rouven Rech studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf und an der Filmakademie Baden-Württemberg mit dem Abschluss Dokumentarfilm-Regie. Er arbeitete unter anderem für das ZDF, den SWR und 3sat.

„Adopted“ wurde bei der Filmschau Baden-Württemberg 2011 mit dem Dokumentarfilmpreis und beim Saratov Sufferings Festival 2011 mit dem Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

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