Der Duft des Orient – Die Weihrauchstraße

Sonntag, 06. Januar 2013

17.15 – 18.00 SWR
Schätze der Welt spezial mit Dieter Moor.

Verbliebene Ruinen der alten nabatäischen Handelsstadt Chalutza. Bild: SWR/Nimna Buhre

Weihrauch besänftigt die Götter. Weihrauch reinigt die Lebenden wie die Toten. Dieter Moor folgt den Spuren dieses gleichermaßen mythischen wie aromatischen Rauchs auf einer der ältesten Handelsstrassen der Geschichte. Weihrauch wächst ausschließlich in Somalia, im Jemen und in der Provinz Dhofar im Sultanat Oman auf der südlichen arabischen Halbinsel. Ganzjährige Temperaturen um die 30 Grad und der karge Wüstenboden sind ideal für die Weihrauchbäume. (Bild: ARTE / © Neamatzadeh/Medienkontor FFP)

Weihrauch ist der Wundsaft eines knorrigen, in der Trockenzeit laublosen, Baumes, des Boswellia sacra. Er gehört zur Familie der Balsambaumgewächse und kann bis zu fünf Meter hoch wachsen. Der Baum ist nicht kultivierbar, das heißt man kann ihn nur schwer gezielt anpflanzen. Beduinen ernten den Weihrauch genauso wie vor 2000 Jahren.

Heute sind die meisten der alten Karawanenwege der Weihrauchstrasse verweht, ihre Städte im Sand versunken. Aus dem Nichts tauchen ab und an Oasen auf. 1984 wurde auf Satellitenaufnahmen eine Kreuzung von drei Handelswegen geortet. Man begann mit Ausgrabungen und fand die Ruinen einer Stadt, die manche für das sagenhafte Wubar halten. In den Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“ wurde der Ort ebenso erwähnt wie im Koran. Dort steht, dass die Stadt wegen ihres Hochmuts von Allah persönlich vernichtet wurde. Für Lawrence von Arabien war Wubar das „Atlantis der Wüste“. Er hatte den Ort vergeblich gesucht. Folgt man den alten Karawanenwegen flimmert im heißen Süden Arabiens, im Nirgendwo zwischen der Wüste Rub al Kahli und dem Golf von Aden die Silhouette von Shibam.

500 Hochhäuser. Die Skyline erinnert an Chicago. Mit dem Unterschied, im Jemen baute man schon vor 2000 Jahren so hoch – aus Lehm. Durch Weihrauch wurde Shibam zu einer wohlhabenden Stadt. Man wohnte eng, Hochhaus an Hochhaus. Vielleicht hat es deshalb viele Söhne der Stadt hinausgetrieben in die Welt. Sie waren es, die einst den Islam nach Nordafrika brachten, nach Spanien, Ostafrika und Indonesien. Heute verfällt Shibam. Touristen kommen so gut wie keine. Andere Arbeit gibt es kaum. Die Jungen ziehen weg. Etwas Landwirtschaft, ein klein wenig Entwicklungshilfe, Überweisungen, von denen die gegangen sind. Alles ein Tropfen auf einen heißen Stein. Shibam hat keine Zukunft mehr.

Mehr zur Sendung auf swr.de

Sendung bewerten:
Umschalten!Geht soSehenswertHinguckerTop! (noch ohne Bewertung)

Loading...


Schüleraustausch Weltweit mit TravelWorks!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.