Die Rosen-Story

Mittwoch, 19. Oktober 2011

20.15 – 21.00 SWR
betrifft. Von Michael Cordero und Michael Richter.

Kordes-Farm in Kenia. Bild: SWR/NDR

Zum Valentinstag wird die Rose als Symbol der Liebe millionenfach verkauft. Die Blumen kommen vor allem aus Kenia, Ecuador oder Äthiopien. Für 800 Millionen Euro pro Jahr importiert die EU Schnittrosen aus Afrika oder Lateinamerika.

Wie ist es möglich, dass Blumen um die halbe Welt geschickt werden, aber ein Strauß Rosen im Supermarkt dennoch nur 1,99 Euro kostet?

Der wichtigste Rosenzüchter weltweit hat seine Heimat in Sparrieshoop in Schleswig-Holstein, wenige Kilometer nördlich von Hamburg. Seit über 100 Jahren züchtet das Unternehmen Wilhelm Kordes‘ Söhne die „Königin der Blumen“. Über mehrere Generationen hinweg belieferte der Familienbetrieb die Gärtnereien der Umgebung. Mittlerweile ist Kordes vor allem in Übersee tätig. Die Firma hat sich völlig vom deutschen Markt unabhängig gemacht und beliefert Rosenproduzenten, vor allem in Afrika und Lateinamerika, mit ihren Züchtungen. Besonders in Kenia, dem wichtigsten Exportland für Rosen, ist Kordes präsent. Mehrmals im Jahr fliegen die Kordes‘ an den Naivasha-See, dem Zentrum des kenianischen Rosenanbaus.

Inzwischen haben sich fast 100 Rosenfarmen rund um den See angesiedelt, die täglich Millionen Rosen für den Export produzieren – unter oftmals fragwürdigen Bedingungen. Die Arbeiter werden meist mit 30 bis 40 Euro im Monat bezahlt. Das ist auch in Kenia zu wenig, um davon eine Familie zu ernähren. Die Arbeiter klagen zudem über den dauernden Einsatz von Pestiziden, der bei ihnen immer wieder zu schweren gesundheitlichen Schäden führe.

Der Naivasha-See, so erzählen Umweltschützer, ist von den Rosenfarmen und den wilden Arbeitersiedlungen, die um die Farmen entstanden sind, ruiniert. Der Wasserspiegel ist gesunken, das Wasser durch die Abwässer aus den Farmen nicht mehr trinkbar.

Das Film-Team um Autor Michael Richter hat sich auf den Weg gemacht, um der Spur der Rosen zu folgen: von der Züchtung in Sparrieshoop über die Rosenfarmen am Naivasha-See bis zur Vermarktung auf der größten Blumenauktion der Welt im holländischen Aalsmeer. Bei dieser Spurensuche zeigt sich deutlich, wer von dem globalen Geschäft mit Schnittrosen profitiert – und wer zu den Verlierern gehört. „Die deutschen Gärtner haben keine Chance“, erklärt John Kordes. „Die Energie ist bei uns viel zu teuer und niemand kann die Mengen produzieren, die heute auf dem Markt gefragt sind.“ Davon kann Werner Buhk ein Lied singen. Der Rosengärtner in den Vierlanden vor den Toren Hamburgs besaß eine der größten Rosengärtnereien Deutschlands. An die 100 Leute arbeiteten bei Buhk. Aber gegen die Konkurrenz aus Kenia kam er nicht an: „Wir haben jetzt hier alles runtergefahren. Es macht keinen Sinn mehr“, zuckt Werner Buhk die Achseln. „Wir haben jetzt nur noch unseren Stand auf dem Großmarkt. Dort verkaufen wir importierte Ware aus Übersee, das rechnet sich, aber unsere Ware können wir vergessen.“ – Eine Familientradition geht zu Ende.

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Ein Kommentar
  1. schrieb am 27. Oktober 2011 um 09:18 Uhr: | Antworten

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