Erlebnis Erde: Madagaskar (2)

Montag, 01. Oktober 2012

20:15 – 21:00 Das Erste
Im Reich der kleinen Drachen. Zweiteiliger Film von Mike Gunton.

Mit riesigen Sprüngen können sich Larvensifaks durchs Geäst bewegen. Ihr langer Schwanz hilft Ihnen, das Gleichgewicht zu halten. Bild: NDR/Barrie Britton

Eine Insel, ein Mythos – Madagaskar. Nirgendwo sonst leben so viele skurrile Tiere wie hier. Vom struppigen Fingertier über den leuchtend roten Giraffenhalskäfer bis zum vermutlich kleinsten Chamäleon der Erde, das gerade mal die Größe einer Ameise erreicht. Seit Jahrmillionen liegt die Insel im Indischen Ozean isoliert, so dass sich – abseits der Kontinente – eine eigene und oft eigenartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt hat. (Bild: NDR/Barrie Britton)

Die zweiteilige BBC-Naturdokumentation „Madagaskar“ erzählt mit spektakulären und seltenen Filmaufnahmen die Geschichte dieser „Naturwunderwelt“. In der zweiten Folge „Im Reich der kleinen Drachen“ geht es um die Überlebensstrategien der Tiere, die in Madagaskars extrem trockenen Regionen, Dornenwäldern und Savannen zu Hause sind – einfallsreich trotzen sie den lebensfeindlichen Bedingungen der Insel.

Madagaskar ist eine Insel der Extreme – während dichte, äußerst nasse Regenwälder den Osten prägen, ähneln der Westen und Süden eher einer Wüste: Sengende Hitze und meist monatelang kein Regen – wie können Tiere und Pflanzen hier überhaupt leben? Flamingos brüten an einem riesigen Salzsee im Süden der Insel. Sie fliegen mehr als 400 Kilometer weit von Afrika nach Madagaskar, um hier zu brüten. Sie gehören zu den wenigen Wirbeltieren, die unter solchen Bedingungen überleben – sie können das extrem salzige Wasser sogar trinken.

Auch Lemuren haben diese Region für sich erobert. Kattas sind Überlebenskünstler, Trinkwasser finden sie in Höhlen, die aus unterirdischen Flusssystemen gespeist werden. Sogar Fische leben in den Gewässern unter Tage. Sie sind farblos und haben keine Augen mehr – wozu auch, in ihrer dunklen Welt? Doch warum sie mit dem Bauch anstatt mit dem Rücken nach oben schwimmen, ist den Wissenschaftlern bis heute ein Rätsel.

Zu den bizarrsten Tieren Madagaskars gehören die Chamäleons. Ihre Vielfalt auf der Insel ist enorm, von laubfarbenen Mini-Exemplaren bis zum Riesenchamäleon. Im Süden der Insel lebt eine besonders merkwürdige Art. Die Tiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Ei, acht bis neun Monate. Nach dem Schlüpfen wachsen die kleinen Chamäleons rasant heran. Sobald sie erwachsen sind, kommt es zu erbitterten Kämpfen der Männchen um die Weibchen. Kurz nach der Paarung und der Eiablage sterben die Tiere, nur wenige Monate nach ihrer Geburt. Kein anderes Wirbeltier hat einen so kurzen Lebenszyklus wie dieses Chamäleon, aber ihre Strategie macht Sinn: In ihrem Ei können die Chamäleons die Trockenperiode überstehen, die geschlüpften Tiere würden diese Zeit ohne Wasser kaum überleben.

Von cleveren Lemuren über igelartige Tenreks bis zu Spinnen, die in Schneckenhäusern wohnen – die bizarre und vielfältige Tierwelt ist einzigartig und Madagaskar eine nahezu magische Insel.

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