Im Bann der Pferde – Marokko

Mittwoch, 23. Januar 2013

10.35 – 11.20 arte
Dokureihe, Deutschland 2009. Regie: Lisa Eder.

Lachsen und Mohammed in der Königsstadt Meknes. Bild: SWR  / © SWR/Richard Ladkani

Von den prähistorischen Felsmalereien in Lascaux bis zu den Pferdeflüsterern unserer Tage – schon immer sprechen Pferde die Gefühlswelt und Sehnsüchte der Menschen an. Die Dokumentationsreihe begibt sich auf eine Reise um die Welt und zeigt den außergewöhnlichen Stellenwert von Pferden in ganz unterschiedlichen Kulturkreisen.
Die erste Folge führt mit eindrucksvollen Bildern durch die Welt der Fantasia-Reiterspiele der Berber in Marokko. (Bild: SWR/Richard Ladkani)

Einmal jährlich verwandelt sich Meknès, eine der vier marokkanischen Königsstädte, in ein orientalisches Feldlager. Der Turnierplatz vor der Stadtmauer wird von großen Mannschaftszelten flankiert. Rund 2.000 Schaulustige säumen den Platz. Zum großen Fantasia-Reiterspiel werden mehr als 500 Teilnehmer erwartet. In vollem Ornat ziehen sie auf ihren mit Gold und Pailletten geschmückten Pferden zum Start. Stolz tragen sie die weißen Dschellabas zur Schau, die turbanartigen Kopfbedeckungen, und ihre langen silberbeschlagenen Flinten. Mit den Fantasias halten die Berber eine mehr als 2.000-jährige Kampftradition aufrecht. Auf ähnliche Art zogen sie schon mit Hannibal über die Alpen oder stürmten einst den islamischen Invasoren ihrer Heimat entgegen.

Auch Lachsen Slimani ist besessen von den Reiterspielen. Er ist Anführer einer Fantasia-Gruppe und lebt mit seiner Familie auf einem abgelegenen Hochplateau im Mittleren Atlas. Sein 18-jähriger Sohn Mohammed ist ebenfalls ein begeisterter Reiter und will in die Fußstapfen des Vaters treten.

Die Familie Slimani besitzt neben einem Arbeitspferd einen Fantasia-Hengst. Er ist ihr ganzer Stolz. Die meisten Bauern können sich, wenn überhaupt, nur ein Pferd leisten. In einem trockenen Land wie Marokko ist Grünfutter teuer. Und der Unterhalt für ein Pferd entspricht dem einer ganzen Familie.

Mohammed will unbedingt mit seinem Vater auf einer Fantasia reiten. Dazu benötigt er, so verlangt es die Tradition, ein eigenes Reittier. Lachsen will seinem Sohn diesen Traum erfüllen. Um das nötige Geld aufzutreiben, wagt er ein Abenteuer: Er reist nach Ouarzazate, auch das Hollywood der Wüste genannt. Hier hoffen Marokkaner aus dem ganzen Land, als Schauspieler entdeckt zu werden oder zumindest einen Komparsenjob zu bekommen – als reitender Bandit, Beduine oder Haremswächter.

Filmemacherin Lisa Eder begleitet Lachsen Slimani durch die Gebirgslandschaft des Mittleren Atlas bis an den Rand der Wüste. Nur dort kann es Lachsen gelingen, sich und seinem Sohn den Traum von einer gemeinsamen Fantasia in Meknès zu erfüllen.

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