Karawane der Bücher: Kenias Kamel-Bibliothek

Mittwoch, 22. August 2012

13.15 – 14.00 3sat
Dokumentation von Herbert Ostwald, Kenia 2010.

Kamel-Bibliothek auf dem Weg ins nächste Dorf. Bild: ZDF / © Herbert Ostwald

Im Norden Kenias gibt es die einzige Kamel-Bibliothek der Welt. Vorbei an Giraffen und Antilopen schleppt eine schwer bepackte Karawane regelmäßig Lesestoff in die unwegsame Savanne.

Eine einzigartige mobile Bibliothek schleppt sich regelmäßig durch die Halbwüste Ostafrikas. Alle zwei Wochen zieht eine Kamel-Karawane aus einer Provinzstadt Kenias zu den Nomaden fernab der Zivilisation. In den kaum erreichbaren Regionen gibt es keine Fernseher, kaum Radios und fast nichts zu lesen. Sehnsüchtig werden die gespendeten Schulbücher, Romane und Cartoons von wissbegierigen Lesern erwartet. Respektvoll und mit großem Interesse blättern die Hirtenkinder in den Büchern. Kostenfrei können sie Exemplare für einige Wochen ausleihen.

Bibliothekare begleiten die Trecks zu den abgelegenen provisorischen Siedlungen der Nomaden. Sie empfehlen den Schülern Bücher oder lesen ihnen vor. Noch immer wird nur etwa die Hälfte der Kinder hier zur Schule geschickt. In der Elterngeneration sind fast 80 Prozent Analphabeten. Doch die Kamele mit ihrer ungewöhnlichen Ladung wecken das Interesse an Bildung. Nomaden kennen die Huftiere aus ihrer Kultur, sie liefern Fleisch, Leder und Milch und dienen als Transportmittel. Dieses positive Ansehen nutzen die Bibliothekare für ihre Mission. 400 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt, kämpfen sie gegen Analphabetismus, Finanzprobleme und überkommene Traditionen. Vor allem für Mädchen in den muslimischen Familien sind Bücher ein Zugang zur Welt.

Noch gibt es zu wenig Geld für neue Bücher, viele Exemplare kommen nach der Ausleihe nicht zurück, weil die Klienten weitergezogen sind. Doch mangelnde Ausrüstung gleichen die Bibliothekare mit Engagement aus. Viele Kinder hätten ohne die Kamelbibliothek nie die Chance, ein Buch in der Hand zu halten. Die Volksgruppe der Somalis kennt keine Tradition der Schriftsprache. Doch in den Schulen, die von der bildungsschweren Kamel-Karawane besucht wird, haben sich 4.000 junge Leser angemeldet. Das sind mehr als jede stationäre Bibliothek in den Städten erreichen könnte.

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