Piraten – Wegelagerer der Weltmeere

Samstag, 30. Oktober 2010

22.30 – 00.00 Phoenix
Ein Film von Julia Kammigan und André Schäfer

Fischerboot im Golf von Aden. Bild: PHOENIX/Radio Bremen/Fabian Walker

Ein Piratenüberfall: Er geschieht in der indonesischen Straße von Malakka oder vor der Küste Nigerias, sogar im vermeintlich sicheren Hafen von Antwerpen kann es die Schiffsbesatzung erwischen. Im hart umkämpften Markt mit Transporten übers Meer ist es mit dem Freibeuter-Mythos nicht weit her. Für die Seeleute gibt es den verwegenen „roten Korsaren“ höchstens als romantische Legende oder im Kinofilm.

Die Autoren des Dokumentarfilms haben sich in Regionen umgesehen, in denen Angriffe von Piraten keine Seltenheit sind und stellen Menschen vor, die – freiwillig oder unfreiwillig – zu Experten für Seeräuberei geworden sind. Die Gefahr ist handfest, wenn auch nur schwer greifbar: Piratenüberfälle sind auch heute keine Seltenheit. Vor Jahren zählten die Gewässer Asiens, so auch die Straße von Malakka, zu den gefährlichsten der Welt. Heute ist es Afrika. Seit fast zwei Jahren richten sich alle Augen auf den Golf von Aden, genauer: auf Somalia. An den Küsten des rechtslosen Staates ist Piraterie ein lukrativer Markt.

Junge Männer in Speedbooten bringen Containerfrachter und sogar Öltanker in ihre Gewalt und erpressen Lösegelder in Millionenhöhe. Der Löwenanteil geht an Hintermänner im Ausland oder wird zum Aufrüsten rivalisierender Clans innerhalb Somalias genutzt. Aber niemand weiß genau, wer vom Terror am Golf von Aden wirklich profitiert und wer es schafft, Kriegsschiffsbesatzungen aus der ganzen Welt an der Nase herumzuführen.

Im Frühjahr 2009 kapern Seeräuber 700 Seemeilen vor der somalischen Küste das deutsche Containerschiff „Hansa Stavanger“. Vier Monate ist die Besatzung in der Hand ihrer Entführer – ein Albtraum. Aber auch für die betroffene Reederei ist eine Entführung eine Extremsituation. Wie kann Kontakt zu den Geiselnehmern aufgenommen werden?
Wie geht es der Crew? Und wie verhandelt man mit Gangstern?
Eberhard Lixfeld von der niederländischen Reederei Reider Shipping ist ungewollt zum Experten geworden. Einer seiner Frachter, die „Amiya Scan“, wurde vor Somalia entführt.

Um der Piraterie Einhalt zu gebieten, patrouillieren Kriegsschiffe aus Russland, dem Iran und den USA im gefährlichen Seegebiet. Oft nebeneinander anstatt miteinander. Die EU hat Ende 2008 die Mission „Atalanta“ ins Leben gerufen, doch die Angriffe und Entführungen gehen weiter. Für die Soldaten ist oft kaum zu unterscheiden, ob die Männer in ihren Skiffs nun Piraten oder einfache Fischer sind. In einem Operationsgebiet so groß wie Westeuropa kann nicht jeder Kutter kontrolliert werden. So gilt es, jede Minute alarmbereit zu sein, um vielleicht doch den Angriff auf ein durchfahrendes Schiff zu verhindern.

Nach zwölfmonatigem Werben und mehreren erfolglosen Flügen nach Dschibuti ist es dem Kamerateam am Ende gelungen, auf eine Fregatte der deutschen Marine zu kommen und sechs Tage mit der Mannschaft durch die Golfregion zu fahren. Hautnah wird in dem Dokumentarfilm erzählt, wie junge Soldaten der Gefahr von Piraten begegnen – und wie einer Handvoll Piraten am Ende doch noch der Prozess gemacht wird.

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