Schmutzige Schokolade

Montag, 20. Juni 2011

22.00 – 22.45 NDR
Eine Dokumentation von Miki Mistrati

Ein Junge aus Burkina Faso arbeitet auf einer Kakaoplantage. Bild: NDR/Henrik Ipsen, U. Roberto Romano

Die Dokumentation von Miki Mistrati zeigt, dass auf Kakaoplantagen in Westafrika Kinderhandel und Kinderarbeit existieren und dass die Schokoladenindustrie dies zumindest duldet. Die Europäer liegen beim Schokoladenverbrauch weltweit ganz vorn. Wo sie herkommt, wie sie hergestellt wird und wer dafür hart arbeiten muss will man eigentlich gar nicht wissen.

Die meisten Menschen lieben Schokolade. Die Hälfte aller Schokolade weltweit wird von Europäern gegessen. 1,5 Millionen Tonnen im Jahr – das sind 15 Milliarden Tafeln Schokolade. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt etwa elf Kilogramm davon im Jahr. Jedoch ist Schokoladeessen vielleicht kein so harmloses Vergnügen wie man glaubt – vor allem nicht für Kinder in Afrika. Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladenindustrie, von Kinderhandel und Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern.

Der investigative Journalist und Filmemacher Miki Mistrati ist diesem Verdacht nachgegangen. Er ist mit seinem Kameramann nach Westafrika gereist, nach Mali und von dort weiter an die Elfenbeinküste, dem weltgrößten Produzenten von Kakaobohnen. Eine gefährliche Reise, erst vor wenigen Jahren wurde dort ein Journalist bei einer ähnlichen Recherche entführt und ist bis heute nicht aufgefunden worden.

Miki Mistrati drehte daher oft mit versteckter Kamera. Er führte aber auch offen Interviews mit Menschen, die wissen müssten, was vorgeht, zum Beispiel mit dem größten Kakao-Exporteur der Elfenbeinküste und mit einem Staatssekretär, zuständig für den Kampf gegen Kinderhandel. Beide bestanden darauf, dass es keinen Kinderhandel und keine Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen gäbe.

Miki Mistrati beweist aber das Gegenteil. Er fand mithilfe Einheimischer geflohene Opfer, er ging auf die Plantagen, fand dort kleine Jungen bei der Arbeit, er traf einen Polizisten von Interpol, der gerade eine Razzia geleitet hatte, bei der 65 Kinder befreit wurden, die auf den Kakaoplantagen als Sklaven arbeiten mussten.

Zurück in Europa wollte Miki Mistrati die Schokoladenindustrie mit seinen Beweisen konfrontieren. Die Reaktion war ernüchternd. Keine der vielen Firmen, die er kontaktierte, war bereit, seine Beweise anzusehen und dazu Stellung zu nehmen. Stattdessen erging lediglich eine Stellungnahme ihres Verbandssprechers. Seine Argumentation: Die Plantagen sind nicht in Besitz der Firmen, also sind diese nicht verantwortlich für Vorgänge auf den Plantagen.

Diese Argumentation zeigt, dass die Schokoladenindustrie Kinderhandel und Kinderarbeit zumindest duldet. Denn sonst müssten die Hersteller mehr unternehmen, mehr Plantagen kontrollieren und wirklich nur von denen kaufen, auf denen es garantiert keine Kinderarbeit gibt.

Vielleicht hilft diese eindrucksvolle und auch erschütternde Dokumentation dabei, die Ausbeutung von Kindern auf den Kakaoplantagen zu beenden.

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2 Kommentare
  1. schrieb am 21. Juni 2011 um 10:50 Uhr: | Antworten

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