Tracks: Spezial Südafrika

Donnerstag, 10. Juni 2010

22.40-23.30 Arte
Magazin, Deutschland 2010

Südafrika ist nicht nur das Land des schönen Wetters und in diesem Jahr das der Fußballweltmeisterschaft. Das südlichste Land des afrikanischen Kontinents hat eine äußerst vielseitige Musikszene zu bieten, wie „Tracks“ beweist. Außerdem Themen im Südafrika-Spezial: schwule und lesbische Künstler im Land am Kap.

DJ Black Coffee. Er ist dafür berühmt, mit extrem wenig Equipment auszukommen und einhändig aufzulegen. Bild: BR / © BR

(1): Kwaito House – Der Sound von Südafrika
Kwaito war der Sound der Schwarzen, der Anfang der 90er Jahre das Ende der Apartheid begleitete. Er war zwar cool, aber ein bisschen zu langweilig für Südafrika. Also drehten DJs in Johannesburg und Durban die Plattenteller schneller, fügten ein paar afrikanische Elemente dazu und schon war Kwaito House geboren. Nirgendwo auf der Welt sind die Menschen so verrückt nach House wie in Südafrika: Zehntausende treffen sich bei House-Beats auf Straßen-Partys in den Townships. DJs gelten als echte Götter. Wie DJ Black Coffee, der nicht nur dafür berühmt ist, mit extrem wenig Equipment auszukommen, sondern auch, weil er einhändig auflegt. Auch DJ Chynaman bastelt mit am Sound von Südafrika. Denn nicht nur im düsteren Johannesburg, auch im schicken Durban ist House der gefragteste Sound.

(2): Zola
Für viele Südafrikaner ist Bonginkosi Dlamini alias „Zola“ nach Nelson Mandela die berühmteste Persönlichkeit im Land. Er ist 32, Musiker, Schauspieler, Produzent, TV-Moderator, hat seine eigene Plattenfirma, Talkshow und Modelinie. Er lieferte den Kwaito-Soundtrack für den oscarprämierten Film „Tsotsi“ und spielte darin auch eine kleine Rolle. Er wuchs in einer der übelsten Ecken im Johannesburger Township Soweto auf, in Zola. Seine Mutter zog ihn allein groß, als Jugendlicher saß er im Gefängnis. Für die schwarzen Jugendlichen aus den Townships ist er ein Idol, weil er es geschafft hat, aus Soweto rauszukommen, und es auf fünf Häuser und Garagen voller protziger Karren gebracht hat – und zu einer unüberschaubaren Menge an Girlfriends. Sogar dafür hat er im klatsch- und tratschsüchtigen Südafrika einen Award bekommen. Und ist stolz drauf.

(3): Gay Artists
Die junge Demokratie Südafrikas gibt sich verglichen mit anderen afrikanischen Staaten sehr liberal. So gilt Kapstadt als „African Gay Paradise“. Aber immer noch gibt es Orte, an denen es für Schwule und Lesben lebensgefährlich ist. Vor allem in Townships und auf dem Land werden jährlich über 500 lesbische Frauen Opfer sogenannter „corrective rapes“, und homosexuelle Männer werden ausgegrenzt und bleiben lieber im Verborgenen. Doch vor allem Künstler beginnen, sich zu wehren. So lässt der Johannesburger Filmemacher Stanimir Stoykov Drag Queens lustig drauflos quietschen. In Kapstadt tritt der Modedesigner, Fotograf und Aktionskünstler Athi-Patra Ruga bei seinen Performances in Gestalt unterschiedlicher „Aliens“ auf, stolziert als schwarzes Schaf verkleidet durch eine weiße Schafherde oder klettert in High Heels eine Kirchenmauer hoch. Und die Fotografin und Performancekünstlerin Zanele Muholi provoziert mit ihren Bildern von schwarzen Lesben beim Sex und bei der Selbstbefriedigung.

(4): Live – Fokofpolisiekar
Der Bandname ist Afrikaans und bedeutet „Fuckoffpolicecar“. Seit 2003 machen die fünf Bandmitglieder, die aus einem Vorort Kapstadts kommen, Punkrock und singen ausschließlich auf Afrikaans. Das kommt gut an in einem Land, in dem nach Ende der Apartheid die Sprache der weißen Besatzer immer mehr in Verruf gerät. In ihren Songs schimpfen die Jungs auf die Buren-Kirche und die politischen Zustände in Südafrika. Kleriker und Politiker schimpften zurück. „Fokofpolisiekar“ gelten als Wegbereiter für andere südafrikanische Musiker, die ausschließlich auf Afrikaans pöbeln, etwa „Die Antwoord“ oder „Jack Parow“. Die wiederum haben mit Afrikaans-Rave gerade weltweit für Aufsehen gesorgt.

(5): Cameron Platter
Elefant, Büffel, Nashorn, Leopard und Löwe sind die „Big Five“ Südafrikas. Die Tierwelt des Landes lockt nicht nur unzählige Touristen ins Land, sondern ist auch Inspiration für Künstler und Modedesigner. In den Werken des Filmemachers, Bildhauers und Malers Cameron Platter aus der südlichen Provinz Kwazulu-Natal wimmelt es von alkoholkranken Krokodilen und Raubkatzen mit Allmachtfantasien. Wegen seiner quietschbunten, mit Hip-Hop-Klischees spielender Bilder gilt er als unbestrittener König des „Afro-Bling“. Er verwendet traditionelle Handwerkstechniken, mischt Street Culture mit nigerianischem Porno, Comics mit naiver Malerei. Und so kommt es vor, dass in Platters Bildern oder Skulpturen wilde Löwen Sneakers tragen oder ein Wildtier beim pornografischen Akt erwischt wird.

(6): Spoek Mathambo
Der „Post-Apartheid-Posterboy“ Südafrikas ist Rapper, DJ, Illustrator, Stilikone und Weltenbürger. Er lebt abwechselnd in Johannesburg und Malmö und macht mit seinen Elektro-Hip-Hop-Projekten Sweat.X und Playdoe auch europäische Hipster-Clubs unsicher. Ihren Sound – eine wilde Mixtur aus Kwaito, Elektro und Funk nennen Spoek Mathambo und sein Kollege Markus Wormstorm „African Coochie Pop“. Kürzlich hat der Sweat.X-Frontman sein erstes Soloalbum aufgenommen.

(7): BLK JKS
Sie waren einer der musikalischen Geheimtipps des Jahres 2009 und machen sich mit ihrer neuen EP „ZOL!“, die mit einer astreinen Fußballhymne aufwartet, nun auf, ein größeres Publikum zu erobern. Ihren Sound – eine Mischung aus Dub, Metal, Krautrock und afrikanischen (Poly-)Rhythmen – haben sie dafür ein bisschen verfeinert. Die BLK JKS repräsentieren die Gegensätze ihres Heimatlandes. Zwei von ihnen kommen aus dem berühmten Township Soweto, zwei sind im wohlhabenden Johannesburger Vorort Spruitview aufgewachsen. Und sie lassen sich von den beschwörenden Gesängen der Medizinmänner ihres Landes ebenso inspirieren wie von moderner House-Musik. Ihr im vergangenen Jahr erschienenes Debütalbum „After Robots“ wurde von zahlreichen Kritikern mit Superlativen bedacht.

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