Tsotsi

Donnerstag, 10. Juni 2010

20.15-21.45 Arte
Spielfilm, Südafrika/Großbritannien 2005

Der 19-jährige Tsotsi lebt als gefürchteter Anführer einer vierköpfigen Gangsterbande in einem Ghetto am Rand von Johannesburg. Eines Nachts schießt er in einem noblen Vorort eine Frau nieder, um ihr Auto zu stehlen. Als er davonrast, hört er plötzlich auf dem Rücksitz ein Baby schreien. Was tun?

Obdachlose Waisenkinder schlafen nachts in Abflussrohren. Bild: ARD / © ARD/Degeto

Keiner weiß, wie der abgebrühte 19-jährige Bandenchef wirklich heißt. Alle nennen ihn nur Tsotsi – in Südafrikas Townships der gebräuchliche Ausdruck für einen schwarzen Kriminellen. „Boston“, der es fast zum Lehrer gebracht hätte, der schießfreudige „Butcher“ und das dümmliche Schwergewicht „Aab“ gehorchen ihm aufs Wort. Doch als Tsotsi in der U-Bahn von Johannesburg einen Mann niedersticht, der sich dagegen wehrt, von den Jungs ausgeraubt zu werden, ist für Boston eine Grenze überschritten. Er provoziert Tsotsi mit unangenehmen Fragen nach Moral und Anstand. Tsotsi antwortet mit Fußtritten und schlägt ihn zusammen.

Kurz darauf bietet sich Tsotsi eine willkommene Gelegenheit zum Autodiebstahl: Er beobachtet eine Frau, die Probleme hat, mit der Fernbedienung das elektrische Tor ihrer Einfahrt zu öffnen. Kaltblütig schießt er sie nieder und stiehlt ihren teuren BMW. Doch als auf dem Rücksitz plötzlich ein Baby schreit, fährt er vor Schreck in einen Graben: Sein erster Instinkt ist Flucht, aber er bringt es nicht übers Herz, den hilflosen Kleinen zurückzulassen; er steckt ihn in eine Papiertüte und nimmt ihn mit in seine Hütte.

Tsotsi erzählt niemandem von dem Säugling und versteckt ihn vor seiner Gang. Regelmäßig zwingt er eine junge Mutter, das Kind zu stillen. Ihr eigener Mann wurde ermordet und sie bringt sich mit Näharbeiten durch. Miriam ruft in Tsotsi eine Sehnsucht nach Nähe wach. Doch für immer kann er das Kind nicht behalten …

Die mitreißend inszenierte Geschichte eines kaltblütigen Gangsters, der seine eigenen Gefühle entdeckt und damit auch Gefühle für andere, wurde mit dem Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film prämiert. Das Township dient dem Drama – angetrieben vom dynamischen Beat des „Kwaito“, einem Mix aus Hip-Hop und afrikanischer Tanzmusik – weder als Vorlage für Sozialromantik noch für Elendsvoyeurismus. Stattdessen erscheint Soweto, aus dem auch Nationalheld Nelson Mandela entstammt, zugleich als Brutstätte von Kriminalität und als Ursprung von Menschlichkeit.

Der Film lebt von der erstaunlichen Präsenz des Laiendarstellers Presley Chweneyagae, dem es gelingt, der Figur des kaltblütigen Mörders nach und nach menschliche Züge zu verleihen.

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