„Weißes Blut“

Donnerstag, 20. Juni 2013

10.00 – 11.15 Arte
Aus den Ruinen in die Sonne: Eine Apartheids-Geschichte, Dokumentarfilm von Regine Dura, 2011

Am 8. September 1948 läuft ein Passagierschiff im Hafen von Kapstadt ein. An Bord sind 83 deutsche Kinder, ausgewählt aus deutschen Waisenhäusern. Die zwei- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen sind Teil einer Sammeladoption. Auswahlkriterium für die Kinder ist die sogenannte „Rasse“. Ihr „arisches Blut“ – de facto die weiße Hautfarbe – soll der burischen Minderheit in Südafrika helfen, „eine weiße Nation zu schaffen in einem schwarzen Land“. Ihre Adoptiveltern sind überzeugte Anhänger der Apartheid. „Weißes Blut“ ist ein Dokumentarfilm über den Missbrauch von Kindern im Namen einer menschenverachtenden Ideologie.

1948 ist in Südafrika die Apartheid-Ära angebrochen. Eine südafrikanische Kinderpsychologin bricht nach Deutschland auf und wählt 83 Kinder aus deutschen Waisenhäusern aus. Hinter dieser Initiative steht ein südafrikanisches privates Adoptionsunternehmen, gegründet von rechtsgerichteten Buren. Ihr Auswahlkriterium ist die sogenannte „Rasse“. Das „arische Blut“ soll der burischen Minderheit in Südafrika helfen, „weiß zu bleiben in einem schwarzen Land“.

„Isoliert die Kinder, trennt die Geschwister voneinander und schneidet sie von ihrer Vergangenheit ab“, das ist das Motto des Dietse-Kinderfonds, der die Sammeladoption unter kirchlicher Bürgschaft durchführt. Die Kinder werden von ausgewählten burischen Familien adoptiert. Das eigentliche Ziel des Programms kennen die Minderjährigen nicht. Sie lernen nur, dem Dietse-Kinderfonds dankbar zu sein für das Leben, das ihnen geschenkt wird, in einem „Land des Sonnenscheins und der unendlichen Möglichkeiten“.

Der Dokumentarfilm „Weißes Blut“ erzählt die bewegende Geschichte dieser Kinder. Werner Schellack und Peter Ammermann sind bei ihrer Ankunft in Südafrika zwei und acht Jahre alt. Im Film erzählen sie ihre Lebensgeschichte, die auch die Historie Südafrikas auf ungewöhnliche Weise spiegelt. Als Kinder kämpfen sie darum, sich in der fremden Umgebung zu behaupten und den calvinistischen und rassistischen Idealen ihrer Adoptiveltern zu genügen. Als junge Erwachsene arrangieren sie sich mit der von der Apartheid geprägten Gesellschaft. Das System, das sie missbrauchte, dient ihnen jetzt mit weißen Privilegien. Beide verfolgen ihre Karrieren, Werner als Geschichtsdozent, Peter als Grafiker.

Die Suche nach ihrer ursprünglichen Familie führt beide zurück ins Deutschland der 60er und 70er Jahre. Dort warten einige familiäre Überraschungen auf sie. Für die meisten der „Kinder“ ist das Ende der Apartheid ein Schock. Der Wegfall „weißer Privilegien“ bedeutet einen weiteren Einschnitt in ihr Leben. Und das Gefühl der Heimatlosigkeit wird für sie zum ständigen Begleiter.

Sendung bewerten:
Umschalten!Geht soSehenswertHinguckerTop! (noch ohne Bewertung)

Loading...


Schüleraustausch Weltweit mit TravelWorks!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.