ARD exclusiv: Haitis Kinder

Sonntag, 11. April 2010

13.15 – 13.45 Das Erste
Ein Film von Lourdes Picareta
Haitis Kinder sind in Gefahr: Nachdem die Erdbebenkatastrophe auch noch das dürftige Hab und Gut der Armen im ärmsten Land Lateinamerikas zerstört hat, geben Mütter und Väter reihenweise ihre Kinder an Fremde weg, freiwillig.“

Die Kinder Taschishka und Rose Micha wurden freiwillig von ihren Eltern an Menschenhändler gegeben. Bild: SWR

Einem SWR-Team ist es gelungen, mit einer versteckten Kamera eine junge Mutter, 28 Jahre, nach dem Warum zu fragen. Sie hat alle ihre vier Kinder amerikanischen Missionaren überlassen, sogar ihr drei Monate altes Baby. Unter Tränen sagt sie: „Weil es hier überall nach Leichen stinkt, die sich zersetzen. Der Pastor hat mir gesagt, das ist besonders für die Kleinen sehr gefährlich. Es könnten Epidemien ausbrechen und die Kleinen müssten schnellstens weg.

In einem Vorort von Port-au-Prince, in dem Dorf Calebasse, gab es sogar eine Kollektivübergabe von Kindern an diese Missionare der Baptistischen Kirche. Haitianische Pastoren waren in diesem Fall die Vermittler. Vermutet wird ein verdeckter Kinderhandel, mit dem Ziel, die Kinder adoptionswilligen Eltern in den USA zu übergeben. Die amerikanischen Missionare wurden festgenommen bei dem Versuch, 33 Kinder ohne Papiere über die Grenze in die Dominikanische Republik zu bringen. Sie hatten die Eltern getäuscht und behauptet, sie würden die Kinder in ein Heim bringen, wo sie die Schule besuchen könnten. Bei der Polizei gaben sie an, die Kinder seien Waisen. Der vereitelte Kindertransport außer Landes ist kein Einzelfall, vermuten Kinderhilfsorganisationen. Auf Haiti hat es schon vor dem Erdbeben eine Grauzone zwischen Kinderhandel und Adoption gegeben. In dem jetzigen Chaos ist die Lage der Kinder aber noch gefährlicher.

Der Film „Haitis Kinder“ versucht, in den Fall der Missionare Licht zu bringen und der Rolle der Pastoren nachzugehen. Das Beispiel dreier weiterer Kinder von Port-au-Prince, die tatsächlich durch das Erdbeben zu Waisen wurden, zeigt, wie sehr sich ihre Verwandten wünschen, sie wegzugeben. Wie sehr sie sich selbst wegwünschen aus dem Land. Im Chaos, das immer noch auf Haiti herrscht, haben Menschenhändler leichtes Spiel. Die elfjährige Natacha, Sklavenkind ihrer Tante, die zwölfjährige Leila, die in den Trümmern nach ihrer Mutter sucht – und die 14-jährige Daneschka, die auf der Straße lebt, zeigen die verzweifelte Lage der Kinder von Haiti.

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2 Kommentare
  1. Peter Pfundstein
    schrieb am 11. April 2010 um 14:06 Uhr: | Antworten
    • schrieb am 11. April 2010 um 15:41 Uhr: | Antworten

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