Bittere Ernte

Freitag, 15. Februar 2013

21.15 – 21.45 NDR
Der hohe Preis des billigen Kaffees. Die Reportage. Film von Michael Höft.

In Jutesäcken verpackt tritt nur noch wenig Kaffee die Reise um die Welt an. Heute werden die Bohnen einfach in Container geblasen. Bild: NDR/Michael Höft.

Kaffee: einst Luxusprodukt, ist er heute in jedem Discounter günstig zu haben. Er ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 150 Liter Kaffee trinkt jeder Bundesbürger jährlich. Da stellt sich die Frage: Warum ist Kaffee so preiswert geworden? Sind die Menschen auf den Kaffeeplantagen die Opfer des billigen Konsums? Werden bei der Kaffeeproduktion mehr Pflanzenschutzmittel verwendet, als dem Verbraucher lieb ist? Was bedeutet der Chemieeinsatz für die Arbeiter, den Konsumenten und die Umwelt? Antworten auf die Fragen sucht NDR-Autor Michael Höft in Röstereien, beim Kaffeehandel, in Lebensmittellabors und auf Plantagen. (Bild: NDR/Michael Höft)

Die Recherchetour führt ihn bis nach Brasilien, ins größte Kaffeeanbaugebiet der Welt. Schon bald muss er feststellen: Die Kaffeeproduzenten sind äußerst kamerascheu. Und das hat einen Grund: Eine Million Tonnen Schädlingsbekämpfungsmittel wurden allein im vergangenen Jahr 2012 auf brasilianischen Feldern versprüht. Brasilien ist nicht nur der größte Kaffeeanbauer der Welt, sondern auch Weltmeister im Verbrauch von Pestiziden. Verseuchtes Wasser und vergiftete Böden sind nur eine Folge der exzessiven Landwirtschaft.

Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es dem Kamerateam mithilfe eines Insiders schließlich doch noch, auf Kaffeeanbauplantagen im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais zu drehen und mit Plantagenbesitzern zu sprechen. Was Autor Michael Höft auf den Feldern erlebt, übertrifft all seine Erwartungen. In den Giftdepots der Farmer finden sich Unmengen an verschiedenen Pflanzenschutzmitteln, auch hochtoxische Chemikalien, die in Europa längst verboten sind, wie das Pestizid Endosulfan. Dieses Nervengift steht im Verdacht, starke Fehlbildungen bei Babys im Mutterleib hervorzurufen, aber auch Krankheiten wie Krebs und Parkinson.

Aber es geht auch anders. Am Ende der Reise besucht das Kamerateam eine Bioplantage. Hier werden keine Pflanzenschutzmittel verwendet und die Arbeiter erhalten fairen Lohn. Aber dafür kostet der Kaffee fast doppelt so viel. Ein Preis, den die meisten Verbraucher bisher nicht bezahlen wollen.

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