Inselträume: Marajó – Brasilien

Dienstag, 13. Juli 2010 | 00:40 – 01:25 Arte

Dokumentationsreihe, Frankreich 2009, Regie: François Chaye

Dort, wo der Amazonas in den Atlantik mündet, liegt Marajó, eine Meeres- und Flussinsel zugleich. Die Brasilianer nennen sie auch „Schutzschild des Ozeans“. Denn einem Aberglauben zufolge kann die Insel den mythischen Amazonasstrom vor den Launen des Meeres schützen. Auf Marajó werden die größten Wasserbüffelherden Brasiliens gezüchtet. Die starken Tiere haben sich hervorragend an die Bedingungen des sumpfigen Lebensraums angepasst. Und Soure, die Hauptstadt der Ilha de Marajó, ist wohl die einzige Stadt der Welt, in der die berittene Polizei „hoch zu Büffel“ sitzt.

Ein Pirogenfahrer - unterwegs auf dem Amazonas Bild: ARTE F / © SystemTV

Ein Pirogenfahrer – unterwegs auf dem Amazonas Bild: ARTE F / © SystemTV

 

Marajó im Mündungsdelta des Amazonas ist die größte Flussinsel der Welt. Wie ein Schild schützt sie den legendären Strom vor den Launen des Ozeans. Marajó ist unter anderem für seine Büffel bekannt; hier gibt es den Bestand Brasiliens.

Brasilien galt lange als größtes katholisches Land der Welt. Heute sind dagegen auch auf Marajó Anhänger der Pfingstbewegung und verschiedener evangelischer Freikirchen zu finden, besonders in den ärmeren Bevölkerungsschichten. Doch der Katholizismus bleibt in Brasilien fest verankert, wie sich nicht zuletzt beim größten religiösen Fest des Landes, dem „Círio de Nazaré“ in Belém, zeigt. Hierbei wird nicht nur die Madonna angebetet, sondern auch eine Woche lang getanzt, sobald abends die Sonne untergeht und die Temperatur erträglich wird.

Auf Marajó wie anderswo in Brasilien finden sich bis heute die Spuren der portugiesischen Kolonialherrschaft. Ein Großteil der indianischen Ureinwohner der Insel fielen Infektionskrankheiten zum Opfer oder wurden zur Assimilation gezwungen. Carlos Amaral ist einer der letzten Insulaner, die noch die traditionellen Töpfertechniken beherrschen und die althergebrachten symbolträchtigen Motive kennt.

Mit den portugiesischen Kolonialherren waren auch afrikanische Sklaven nach Marajó gekommen. Ihre Nachkommen, die sogenannten Quilombolas, bilden bis heute eine eigenständige Bevölkerungsgruppe. Doch die Mehrzahl der Insulaner sind „Caboclos“, Mischlinge aus Indios und Europäern. Einer von ihnen ist Antonio Carlos Agusto, der den Verband der lokalen Krebsfischerinnen und -fischer leitet.

Antonio Carlos lebt mit seiner Familie in einem Holzhaus mitten im Amazonas-Urwald, der heute durch rigorose Abholzung bedroht ist. Neben der Krebsfischerei verdient er seinen Lebensunterhalt mit der Ernte von Açaí-Früchten. Diese wachsen hoch oben in den Wipfeln einer bestimmten Palmenart. Açaí-Früchte sind ausgesprochen nährstoffreich und dienen zur Herstellung eines hochenergetischen Saftes.

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Ein Kommentar
  1. Rocco Slatton
    schrieb am 28. Juli 2011 um 08:54 Uhr: | Antworten

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