Mecaniqueros – Nichts ist unmöglich in Havanna

Donnerstag, 07. Februar 2013

13.00 – 13.55 arte
360° – Geo Reportage, Frankreich, Deutschland, 2005, Regie: Joanna Michna.

Selbst um die einfachsten Dinge des Alltags zu bekommen, muss man in Havanna "Mecánicas" betreiben, das heißt Geschäfte auf der Straße machen. Bild: ARTE / © Medienkontor FFP

Die sogenannten Mecaniqueros im kubanischen Havanna sind private Jungunternehmer im sozialistischen Kuba. Sie entwickeln skurrile, aber erfolgreiche Geschäftsideen wie etwa ein Restaurant im heimischen Wohnzimmer oder Lichtschalter aus Deo-Dosen. Dabei agieren sie sehr geschickt im Verborgenen und wandeln immer auf dem schmalen Grat zwischen Legalität und Verbotenem. “360° – Geo Reportage” zeigt Ariél und seine Freunde, die dem strengen Castro-Regime mit viel Witz und Organisationstalent immer wieder ein Schnippchen schlagen. (Bild: ARTE / © Medienkontor FFP)

Bröckelnde Fassaden aus der Kolonialzeit, tropische Palmen und glühende Sonnenuntergänge bilden die Kulisse für amerikanische Oldtimer, rauchende Dandys und Massenaufmärsche in Kubas Hauptstadt Havanna. Doch der Alltag der Menschen wird von dem Wirtschaftsembargo der USA und der Misswirtschaft der Castro-Regierung beherrscht. Arbeit für den Staat ist Pflicht.

So prüft Ariél als Kontrolleur der Gesundheitsbehörde private Wasserbehälter auf Larven der Dengue-Mücken. Weil er aber, wie viele, von seiner offiziellen Tätigkeit allein nicht leben kann, arbeitet er mit seinen Freunden César und Tommy nebenbei als “Mecaniquero”: Mit Hilfe aller möglichen “Mecánicas” – Techniken, Tricks, Tauschgeschäfte und Kontakte – treiben sie Dinge auf, die in den staatlichen Geschäften nicht zu bekommen sind. Dabei müssen sie flexibel sein. Was heute noch erlaubt ist, kann schon morgen verboten sein. Jeder, der etwas dringend braucht und nicht finden kann, wendet sich an die Mecaniqueros: Gold für Zahnverblendungen, ein Kleid für eine Party, Ersatzteile für einen Fernseher – alles lässt sich irgendwie beschaffen.

Einige ihrer privaten Nebenbeschäftigungen finden auch als Familienunternehmen statt. Je nach Bedarf wird etwa das Wohnzimmer in einen Beautysalon oder ein Restaurant umgewandelt. Vieles gibt es nur auf dem Land günstig. So besorgen Ariél und seine Freunde im fruchtbaren Tal von Viñales ein Spanferkel für den 15. Geburtstag einer Kundin – der wichtigste Tag im Leben einer kubanischen Frau, denn ab diesem Tag gilt sie als erwachsen. Auch das Traumkleid für Fotoaufnahmen, eine Kamera und Musik für ein kleines Fest werden von den Mecaniqueros organisiert.

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