Auf Vater wartet der Henker

Dienstag, 22. März 2011

22.00 – 22.30 WDR
Die Kinder der Strafgefangenen in China
Eine WELTWEIT-Reportage von Ariane Reimers

Der kleine Guan-Lei telefoniert mit seiner Mutter im Gefängnis. Bild: WDR/SWR
Die WELTWEIT-Reportage zeigt das Leben im Pekinger Kinderdorf. Etwa 100 Kinder leben dort, ihre Eltern wurden inhaftiert oder hingerichtet. Die Gründerin des Dorfs ist Managerin, Organisatorin und Ersatzmutter gleichzeitig. Eine Mammutaufgabe.

Tian Tian ist Waise, der Vater wurde für einen Mord hingerichtet, ihre Mutter hat sich das Leben genommen. Seit vier Jahren lebt sie im Kinderdorf. Längst hat sich die Zwölfjährige an den strengen Rhythmus gewöhnt, aber der Anfang war schwer.

„Im ersten Jahr wollte ich wirklich jeden Tag nach Hause. Der Zaun des Kinderdorfs war damals noch nicht so hoch wie heute und da waren ein paar Lücken im Zaun, da passte ich durch, mein Kopf war ja noch klein. Jede Nacht bin ich weggelaufen und die Leute vom Kinderdorf mussten mich suchen. Ein paar Verwandte haben mir dann gesagt, ich kann in unserem Dorf anrufen, wenn ich Heimweh habe. Dann war es ok.“

Etwa 100 Kinder wohnen im Kinderdorf von Peking, manche kehren heim, wenn ihre Eltern aus dem Gefängnis entlassen werden, andere bleiben, bis sie 18 Jahre alt sind, wie Tian Tian. Sie weiß um das Schicksal ihres Vaters, aber manch anderes Kind im Dorf ist noch ahnungslos. Der Alltag wirkt fröhlich, die schwierigen Themen werden verdrängt. Wie auch soll man Kindern erklären, dass der Staat ein Elternteil oder auch beide hat hinrichten lassen?
Die Wahrheit bringt nur Leid und Sorgen, für eine professionelle psychologische Betreuung fehlt ohnehin das Geld.

Zhang Nainai – Großmutter Zhang, wie sie alle nennen, die Gründerin des Kinderdorfs. Sie ist Managerin, Organisatorin und Ersatzmutter für viele Kinder. Eine Mammutaufgabe. Viele der Kinder kommen aus zerrütteten Familien, manche waren sogar Zeugen wie die Mutter den Vater ermordet hat, oder der Vater die Mutter. Sie waren Zeugen grausamer Szenen. Im Kinderdorf gibt es ganze Reihe Kinder, die nachts im Traum schreien, die Angst vor Blut haben oder kein Fleisch essen wollen. Wirklich viele haben psychische Probleme.

Das Kinderdorf wirkt wie eine große Familie – trotz aller Probleme und Härten. Der Alltag ist durchorganisiert, Zhang Nainai verlangt viel von den Kindern – Lernen für die Schule, Putzen, Wäsche waschen, Kochen für Gäste, ein bisschen Feldarbeit im Sommer, viel Zeit zum Spielen bleibt da nicht. Sie sollen sich an das harte Leben gewöhnen. Überleben lernen in einem Land, in dem ihnen keiner etwas schenkt.

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2 Kommentare
  1. Michael L.
    schrieb am 2. Januar 2012 um 23:05 Uhr: | Antworten
  2. Brunn Christiane
    schrieb am 21. Dezember 2011 um 13:53 Uhr: | Antworten

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