Bishnoi, Tierliebe bis in den Tod

Dienstag, 06. Dezember 2011

16.50 – 17.45 Arte
360° – Geo Reportage, Frankreich/Deutschland 2010, Regie: Roberto Lugones.

Ramniswas Budhnagar lebt in einem Dorf rund 50 Kilometer von der Stadt Jodhpur entfernt. Jeden Morgen füttert er die Gazellen am Dorfrand. Bild: ARTE / © Medienkontor/Roberto Lugones

Vor über 500 Jahren gründete ein indischer Guru die Gemeinschaft der Bishnoi, eines Volkes, das sich dem Schutz allen Lebens verschrieben hat und in enger Verbindung mit Pflanzen und Tieren lebt. Die Heimat ihrer Nachkommen ist noch immer die Wüste Rajasthans. Dort verteidigen die Bishnoi bis heute ihre traditionellen Regeln gegen die Einflüsse der modernen Welt, notfalls unter Einsatz ihres Lebens. „360° – Geo Reportage“ hat dieses Volk besucht und erlebt, wie einfach und zugleich schwierig es sein kann, in der heutigen Zeit seinen Idealen treu zu bleiben.

Die Wüste Thar im Nordwesten Indiens. Schon früh am Morgen geht Ramniwas Budhnagar hinaus, um Wasser und Futter für die wilden Tiere bereitzustellen. Ramniswas‘ Familie gehört zum Volk der Bishnoi. Bishnoi bedeutet „29“, abgeleitet von den 29 Geboten, die Lord Jambeshwar vor etwa 500 Jahren für seine Gemeinde aufstellte.

Zu jener Zeit drohte das Land durch Konflikte zwischen Muslimen und Hindus und Rivalitäten innerhalb der verschiedenen Kasten auseinanderzubrechen. Jambeshwar glaubte, dass der einzige Weg aus dieser Situation ein absoluter Respekt gegenüber jedem Leben ist. Dafür stellte er die 29 Regeln auf. Sie betreffen die tägliche Hygiene ebenso wie die Art zu sprechen, die Ernährung, das Mitgefühl und das Vergeben gegenüber anderen. Auch das Verbot, Tiere zu töten und Bäume zu fällen ist in den 29 Regeln festgeschrieben. Damit gehören die Bishnoi seit 500 Jahren zu den ersten Umweltschützern der Welt.

Bis heute versuchen sie ihren Idealen treu zu bleiben, in einer globalisierten Welt, in der wenig Platz für Individuen und Lebensformen jenseits der Moderne ist. Die jungen Bishnoi wandern ab in die Städte. Diejenigen, die bleiben, kämpfen weiter für die Rechte der Tiere, verarzten verwundete Gazellen und pflegen sie in den eigenen Tempeln gesund. Aber sie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Längst greift Ramniswas auf moderne Kommunikationsmittel wie das Mobiltelefon zurück, organisiert Demonstrationen, über die am nächsten Tag in der Zeitung berichtet wird. Aber wird das reichen, um den Bishnoi und ihrem Kampf ein dauerhaftes Überleben zu sichern?

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