Das Herz von Jenin

Dienstag, 21. Juni 2011

22.45 – 00.20 ARD
Dokumentarfilm, Deutschland 2008, SWR, Regie: Marcus Vetter, Leon Geller

Ismael Khatib traf in nur zwölf Stunden eine schwere Entscheidung: die Organe seines toten Sohnes zu spenden. Bild: SWR / © SWR/Eikon/Shaxaf Haber

Zutiefst menschliche Geste im Angesicht der größten Tragödie: Im November 2005 stirbt der zwölfjährige Sohn des Palästinensers Ismail Khatib im Flüchtlingslager Jenin durch die Kugeln israelischer Soldaten. Trotz seiner Trauer entscheidet der Vater, die Organe seines Sohnes Ahmed an israelische Kinder zu spenden und damit deren Leben zu retten. Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um die Organempfänger und deren Familien zu besuchen. Die Filmemacher Leon Geller und Marcus Vetter haben ihn begleitet.

Die Familie Khatib lebt im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland. 15.000 Menschen leben an diesem Ort, der vom israelischen Militär als Hochburg des Terrorismus bezeichnet wird. Am 5. November 2005 bittet der zwölfjährige Ahmed Khatib seine Eltern, in der Stadt eine Krawatte für die beginnenden Festtage kaufen zu dürfen. Unterwegs trifft er zwei Freunde und spielt mit ihnen „Araber und Jude“. Wie so oft an Festtagen ist eine israelische Patrouille im Camp, um einen gesuchten Terroristen aufzuspüren. Ahmed rennt mit seiner Spielzeugwaffe über die Straße. Plötzlich werden zwei Schüsse abgefeuert. Sie treffen den Jungen in Kopf und Brust. 24 Stunden später stirbt er in den Armen seiner Eltern.

Der Krankenpfleger aus dem Rambam Krankenhaus in Haifa fragt den Vater, ob er bereit wäre die Organe seines Sohnes zu spenden. Ismael Khatib ruft seinen ältesten Bruder an, holt sich den Segen des Imam aus Jenin und informiert die weltliche Autorität des Flüchtlingslagers, Zbydi Zakaria, den Chef der militanten Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Alle stimmen der Transplantation zu. Für sechs Menschen ist es die Chance, durch Ahmeds Organe weiterzuleben.

„Das Herz von Jenin“ rekonstruiert die damaligen Ereignisse und begleitet Ismael Khatib auf einer Reise zu den Kindern, die heute mit Ahmeds Organen leben: Zu Mohammed, einem kleinen Beduinenjungen aus der Negev-Wüste, zu Samah, einer drusischen Teenagerin aus dem Norden Israels, und zu Menuha, der Tochter einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Jerusalem. Der Dokumentarfilm von Leon Geller und Marcus Vetter porträtiert Menschen, die lernen, mit dem alltäglichen Konflikt und der alltäglichen Gewalt zu leben, und trotzdem ihre Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben.

Zusatzinfo:
Der Dokumentarfilm wurde in einer inoffiziellen Aufführung im Flüchtlingslager Jenin gezeigt. Er führte dazu, dass viele Menschen aus Jenin Ismaels Geste des Friedens heute mit Verständnis begegnen.
„Das Herz von Jenin“ erhielt unter anderem den Deutschen Filmpreis 2010, den Cinema for Peace Award 2009 und den DEFA-Förderpreis beim DOK Leipzig 2008.

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Ein Kommentar
  1. schrieb am 22. Juni 2011 um 08:13 Uhr: | Antworten

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