Honigjäger im Himalaja

Sonntag, 14. Dezember 2014 | 15:15 – 16:00 SWR

Ein Film von Jerome Ségur aus der Reihe Länder-Menschen-Abenteuer.

Im Himalaja baut die größte Wildbiene der Welt ihre Waben an unzugängliche Stellen steiler Felsklippen. Kaum ein Nesträuber wagt es, sich diesen gefährlichen Orten – oft höher als 3.000 Meter gelegen – zu nähern. Bis auf die Männer des Volksstamms der Magar. Sie haben es auf den Honig der Wildbienen, das „flüssige Gold“ der Berge, abgesehen. Jedes Jahr im Frühling riskieren sie ihr Leben und plündern mithilfe von selbstgebauten Bambusleitern, Räucherwerk und Stöcken völlig ungesichert die prall gefüllten Waben. Der bekannte Himalaja-Filmer Jérôme Ségur hat sie auf ihren Beutezügen begleitet.

An steilen Felsen im Himalaja erntet das Volk der Magar mit selbstgebauten Strickleitern Honig. Bild: SWR/ZED Paris

An steilen Felsen erntet das Volk der Magar mit selbstgebauten Strickleitern Honig.
Bild: SWR/ZED Paris

Zum ersten Mal trifft ein Filmteam auf die Honigjäger von Kuine. Das Dorf liegt abseits der Trekking-Pfade auf 2-600 Höhenmetern im Gebirgsvorland Nord-West Nepals. Die Menschen hier leben von den kargen Erträgen ihrer Felder und würden ohne den Verkauf von wildem Honig kaum über Bareinnahmen verfügen. Ein bis zweimal pro Jahr brechen die erwachsenen Männer des Dorfes gemeinsam zu einer waghalsigen Erntetour auf. In der Sprache der Magar werden sie „Peringe“ genannt, was so viel wie „Wissende“ bedeutet.

Jérôme Ségur, der selbst Kamera führt, begleitet die Gruppe von Bal Bahadur, der nicht nur ein geschickter Kletterer ist und die sichersten Strickleitern baut, sondern vor allem auch ein Auge für die versteckten Bienennester hat. In diesem Jahr soll sein vierzehnjähriger Sohn Moti erstmals den wilden Honig ernten. Moti ist ganz erpicht darauf, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, und stolz, seine Fähigkeiten vor den Erwachsenen endlich unter Beweis stellen zu können.

Doch zeigt sich bald, dass er die Herausforderung unterschätzt. Beim ersten Erntegang in 30 Meter Höhe zerstört er die kostbare Wabe und lässt sie in die Tiefe fallen statt sie vorsichtig in einem Korb zu bergen. Ein Zurück gibt es nicht; mit einer eigens an seine Größe angepassten Bambusleiter muss er sich auch an der nächsten Fundstelle versuchen, obwohl diese noch höher und direkt über einem reißenden Fluss gelegen ist. Erst allmählich lernt er, barfuß auf der Leiter stehend die nötigen Arbeitsschritte zu koordinieren, zuerst das Nest auszuräuchern, einen Teil der Wabe mit dem Stock behutsam abzutrennen und sich über das Herablassen und Hochziehen des Erntekorbes mit den Übrigen zu verständigen. Eine schwere Prüfung, bei der der geringste Fehler teuer bezahlt wird. Eine archaische Arbeit, bei der Klagen über Bienenstiche oder andere Verletzungen nicht erlaubt sind.

Regisseur Jérôme Ségur folgt der Truppe von Bal Bahadur auf Schritt und Tritt. Dort, wo die Waben geplündert werden, hängen er und sein Tonassistent samt Ausrüstung inmitten des umherschwirrenden wilden Bienenvolks direkt neben den Honigjägern in der Wand. Ihnen gelingen atemberaubende Aufnahmen und vor allem eine authentische Nähe zu Moti und den Seinen. Der Film „Honigjäger im Himalaja“ erzählt die Geschichte eines spektakulär unspektakulären Handwerks und die eines Jungen, der eine gefährliche Reifeprüfung zu bestehen hat.
(Senderinfo)

Bild: SWR/ZED Paris

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Ein Kommentar
  1. Volk
    schrieb am 23. Oktober 2016 um 16:33 Uhr: | Antworten

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