Im Schatten des Himalaya

Samstag, 15. September 2012

16.00 – 16.30 Das Erste
Weltreisen. Chinas weiter Westen. Film von Ariane Reimers.

Blick ins Tal von Bayanbulak, eine große Graslandfläche im Tianshan-Gebirge. Bild: NDR/Ariane Reimers

Am Fuße der höchsten Berge der Welt, im Schatten der Gebirge des Karakorum und des Tianshan liegt die chinesische Provinz Xinjiang. Majestätisches Hochgebirge wird gesäumt von wogendem Grasland, hier liegt aber auch die zweitgrößte Sandwüste der Welt. (Bild: NDR/Ariane Reimers)

Durch die beeindruckende Landschaft führen die Wege der alten Seidenstraße. Seit jeher leben hier die unterschiedlichsten Völker, mongolische Nomaden, Kirgisen, Tadschiken, Uiguren mit ihren prachtvollen Trachten und uralten Traditionen. Ein faszinierendes Reisegebiet für das ARD-Team um China-Korrespondentin Ariane Reimers.

Die Reise beginnt fast direkt an Chinas Grenze zu Pakistan: in der Stadt Tashkurgan am Karakorum-Highway. Landschaftlich wunderschön: saftig grünes Grasland, eingerahmt von den 7000er Bergen der Gebirge des Karakorum, Kunlun und Pamir. Tashkurgan ist die Heimat der Tadschiken, ursprünglich ein persisches Volk. Einst war die Stadt wichtiger Karawanenstützpunkt. Eine Festungsruine zeugt von der strategischen Bedeutung Tashkurgans. Heute ist der Verkehr weniger dicht. Den Karakorum-Highway als asphaltierte Straße gibt es seit den 80er Jahren, aber der Handel mit Pakistan läuft schleppend, auf der pakistanischen Seite ist die Straße in schlechtem Zustand. Das will China in naher Zukunft ändern.

Die Tadschiken sind weitgehend Nomaden, hüten ihre Schafe und Ziegen oder pflegen eine kleine Landwirtschaft. Vor allem sind sie exzellente Reiter, Pferde sind immer noch das Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Ihr Lieblingssport: „Lammpolo“. Nur für ausgezeichnete Reiter. Eine Ziege wird geschlachtet, ausgenommen und wieder vernäht. Die Reiter versuchen, sich das Tier gegenseitig abzujagen. Alle Tricks sind erlaubt. Am Ende wird das Fleisch gegessen … Urwüchsige Bilder einer rauen Gesellschaft.

Gute 100 km nördlich von Tashkurgan erreicht das Team über einen 4000-Meter-Pass den Fuß des 7546m hohen Muztagh Ata. Ein bei Bergsteigern beliebter Berg. Ihr Gepäck wird mit Kamelen ins Basislager gebracht, sie selbst gehen zu Fuß. Anfangs begleitet vom ARD-Team, das trotz der Anstrengungen fasziniert war von der Gletscherlandschaft.

Weiter nördlich führt der Karakorum-Highway in die Oase von Kashgar. Ein historisch berühmter Ort mit einer arabisch anmutenden Altstadt. Lehmhäuser, innen reich verziert – aber bedroht von der chinesischen Modernisierungswut. Nach viel Ringen gibt es nun einen Kompromiss. Die alten Lehmhäuser werden abgerissen, aber im gleichen Stil neu aufgebaut – mit Betonträgern, erdbebensicher.

Die Straßen der Altstadt: ein orientalischer Basar. Die Frauen sind verschleiert – von „modisch schick“ bis hin zum braunen Vollschleier. In Kashgar leben überwiegend Uiguren, ein Turkvolk. Traditionen werden hier ernst genommen und gepflegt. Das zeigt uns der Steinmetz, der mit alter Kunst die neuen alten Häuser ausstattet.

Von Kashgar geht es weiter entlang der südlichen Seidenstraße durch die Taklamakan-Wüste zu den Oasen der nördlichen Seidenstraße. Die Taklamakan ist die zweitgrößte Sandwüste der Erde – und sie dehnt sich immer weiter aus. Aber die Berge und Gletscher des Karakorum im Süden und des Tianshan im Norden sorgen dafür, dass es immer wieder Wasser gibt – ganz unverhofft.

Kucha – an der nördlichen Seidenstraße – erlaubt einen Blick auf die vor-islamische Geschichte der Region. Ruinen buddhistischer Städte aus dem 7. Jh. und Höhlen mit Buddha-Malereien. Sie haben eine sehr wechselvolle Geschichte erlebt – nach der Islamisierung der Region vergessen, wiederentdeckt von europäischen Forschungsreisenden im 19. und 20. Jahrhundert. Vieles wurde zerstört, doch was noch existiert, wird heute wieder geschätzt und restauriert.

Immer weiter folgen Ariane Reimers und ihr Team den Bergpässen Richtung Norden. Sie gelangen in ein üppiges Graslandtal – Bayanbulak. In dieser traumhaften Landschaft mit ihren sanft welligen Grashügeln leben Mongolen, die Nachfahren des Eroberers Dschingis Khan. Auch heute noch sind sie echte Nomaden, wechseln mit ihren Jurten und den Tieren viermal im Jahr die Lagerstätte und leben ganz im Einklang mit der Natur. Durch seinen Grasreichtum und die Feuchtgebiete ist Bayanbulak ein Vogelparadies, jedes Jahr kommen Tausende wilder Schwäne, Kraniche und Reiher und nisten hier. Im Grasland von Bayanbulak endet die Reise durch die wechselvollen Landschaften von Xinjiang. Ein Erlebnis für alle, die die großartige Natur und die faszinierenden Gesichter der Vielvölkerregion kennenlernen durften.

Sendung bewerten:
Umschalten!Geht soSehenswertHinguckerTop! (noch ohne Bewertung)

Loading...


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.