Kampf um Tibet

Gläubige in Tibet auf dem Nachhauseweg nach dem Gebet: Bei den Konflikten zwischen Tibetern und den chinesischen Besatzern geht es nicht nur um Religion, sondern um handfeste politische und wirtschaftliche Interessen Pekings. (Bild: WDR / © Michael Kern/Längengrad Filmproduktion)

Dienstag, 24. September 2013

22.55 – 23.50 Arte
Deutschland, 2012, WDR. Regie: Shi Ming, Thomas Weidenbach.

Seit der Eroberung Tibets durch die chinesische Volksbefreiungsarmee im Oktober 1950 geht es in Tibet um handfeste politische, ökonomische und strategische Interessen der Machthaber in Peking. Doch davon erfuhr die Weltöffentlichkeit bislang kaum etwas. Die Dokumentation zeigt ein Bild von Tibets Geschichte und Zukunft, das es so noch nie zu sehen gab, und enthüllt, was die chinesische Regierung wirklich auf dem Dach der Welt sucht.

Wer an Tibet denkt, der denkt vor allem an betende Mönche und prügelnde Polizisten, an einen Konflikt zwischen brutalen Chinesen und friedliebenden Tibetern. Die Dokumentation zeigt, dass es in der jüngeren Geschichte Tibets nie um einen Streit der Kulturen oder nur um eine ideologische Auseinandersetzung zwischen Kommunismus und Buddhismus ging. Seit der Eroberung Tibets durch die chinesische Volksbefreiungsarmee im Oktober 1950 geht es in Tibet um handfeste politische, ökonomische und strategische Interessen der Machthaber in Peking. Doch davon erfuhr die Weltöffentlichkeit bislang kaum etwas.

Wer weiß schon, dass durch die Eroberung Tibets das Territorium Chinas um fast 25 Prozent vergrößert wurde und sich Mao Zedong so als starker Führer der gerade erst ausgerufenen sozialistischen Volksrepublik feiern lassen konnte? Noch neun Jahre nach der Invasion durfte der Dalai Lama in Tibet bleiben und wurde in Peking sogar zum stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses gewählt. „Ein Land – zwei Systeme“ lautete die Devise zunächst. Bis Mao in den Zeiten des Kalten Krieges den strategischen Wert des unzugänglichen tibetischen Hochlands erkannte und Schlüsselindustrien sowie die Rüstungsproduktion in tibetische Siedlungsgebiete verlegen ließ. Die chinesische Atombombe wurde in der Heimat der Tibeter geschaffen. Dort liegen auch wichtige Rohstoffe, die sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung wie auch für die Verteidigung Chinas von zentraler Bedeutung sind.

Heute ist Tibet vielleicht wichtiger denn je für die Ambitionen der chinesischen Führung. Denn Chinas Metropolen und Industrie benötigen immer mehr Strom und Wasser – und beides soll in Zukunft aus gigantischen Wasserbauprojekten in Tibet kommen, den größten und riskantesten der Welt. Viermal so viel Wasser wie der Rhein mit sich führt, will China aus den Flüssen Tibets in den Nordosten des Landes umleiten. Da die meisten dieser Flüsse auch die Nachbarstaaten mit lebenswichtigem Wasser versorgen, drohen militärische Konflikte ums Wasser, vor allem mit Indien. „Die Kommunistische Partei Chinas kontrolliert den Wasserhahn für drei Milliarden Menschen“, mahnt der Hollywoodstar und langjährige Vorsitzende der Internationalen Kampagne für Tibet Richard Gere im Filminterview: „Das sollte alle Regierungen der Welt alarmieren.“

Zusatzinfo:
Drei Jahre lang recherchierten die Autoren für ihre Dokumentation und überraschen mit neuen Einsichten und noch nie gezeigtem Archivmaterial. Darunter ein Propagandafilm, der in den Archiven der ehemaligen DDR entdeckt wurde und in China selbst seit Jahren unter Verschluss gehalten wird. Zum ersten Mal äußern sich im Film vor allem Chinesen zum Tibet-Konflikt: Schriftsteller, Historiker und Wissenschaftler, die die Propaganda der Pekinger Regierung nicht länger ertragen und sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit gemacht haben. Sie schaffen ein Bild von Tibets Geschichte und Zukunft, das es so noch nie zu sehen gab. Die Dokumentation zeigt, was die chinesische Regierung wirklich auf dem Dach der Welt sucht.

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