Königreich Tonga

Donnerstag, 13. Oktober 2011

21.00 – 21.45 NDR
Auf deutschen Spuren in der Südsee. Von Sven Jaax.

Das Ha' apai-Archipel zählt zu den abgelegensten Orten der Welt. Bild: NDR/Sven Jaax

„Der König von Tonga kommt aus Buxtehude“, so heißt es. Glaubt man Gerüchten und Überlieferungen, dann hat das Oberhaupt der Südseeinsel seine familiären Wurzeln in Niedersachsen.

Er stammt von einem Seemann ab, der sich im 19. Jahrhundert in Polynesien niederließ. Bewiesen ist das jedoch nicht. Tatsache ist allerdings, dass im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Deutschen in die Südsee kamen. Sie gründeten auf Tonga Handelsposten, Geschäfte und Familien. Spuren davon sind noch heute dort zu finden.

Da sind zum Beispiel die Blumenfelds. Deren Urahn kam im 19. Jahrhundert aus Hamburg auf die abgelegene Insel. Der Hanseat hatte einen Sinn für das Geldverdienen, brachte seinen Familienmitgliedern das ordentliche Münzenzählen und das Bügeln von Geldscheinen bei und galt als strenger Patriarch. Seine Nachkommen sind sich bis heute sicher, dass sie nur durch die harte deutsche Erziehung alle gute Geschäftsleute geworden sind.

So ähnlich sieht das auch Finnau Walter. Er schaut alles andere als „typisch deutsch“ aus und spricht kein Wort Deutsch. Trotzdem ist er stolz darauf, dass seine Vorfahren aus Europa kommen. Walter ist eine Art Hafenmeister, Flugplatzchef, Hotelier und Bäcker in einer Person – auf einem winzigen Außenposten des Tongaarchipels.

Tonga ist eines der schönsten, unbekanntesten und ungewöhnlichsten Königreiche der Welt. Der idyllische Archipel, östlich von Neuseeland, wird von rund 100.000 Insulanern bewohnt. Sie sind vor allem eines: entspannt. Die Tonganer preisen ihren „Tongan Lifestyle“ als äußerst „relaxed“, was sich nicht immer mit den „deutschen Tugenden“ vereinbaren lässt. Zwischen Kokosnussernte und Netze flicken, zwischen Bootsbau und Gemüseernte ist stets Zeit für eine ausgiebige Pause. Eines lieben die Tonganer überhaupt nicht: Hektik.

Zurzeit wächst allerdings Unmut im Königreich: Manche machen den autoritären Führungsstil des Königs und seine angebliche Vetternwirtschaft für die Armut auf der Insel verantwortlich. Das Königreich gilt als Entwicklungsland, hat zwar wunderschöne Palmeninseln, aber kaum Exportgüter und wird finanziell vor allem von den Auslandstonganern am Leben gehalten. Dank der starken Familienbande unterstützen die ausgewanderten Familienmitglieder ihre Verwandten in der Heimat mit Geld und Gütern. Sven Jaax machte sich auf Tonga mit einem Kamerateam des NDR auf die Suche nach deutschen Spuren.

Sendung bewerten:
Umschalten!Geht soSehenswertHinguckerTop! (noch ohne Bewertung)

Loading...


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.