Leere Meere – Fischbestände vor dem Kollaps?

Sonntag, 07. August 2011

17.03 – 17.30 Das Erste
W wie Wissen. Moderation: Dennis Wilms.

W wie Wissen" hat Krabbenfischer begleitet und ergründet, warum sie trotz "idealer" Fangbedingungen und endlich praxisreifer Pulmaschinen kaum noch Geld verdienen. Bild: SWR/Ralf Hoogestraat

Um die weltweiten Fischbestände steht es schlecht: Vor allem wegen Überfischung und zerstörerischer Fangmethoden drohen ganze Arten aus den Meeren zu verschwinden. Die laufend verschärften Fangquoten zeigen zwar im Bereich der EU-Gewässer einige Erfolge, doch eine Trendwende ist das noch nicht.

Wie können die Fischbestände effektiv vor dem Kollaps bewahrt werden? Wie überwachen Behörden die Einhaltung der Fangquoten und welche Maßnahmen könnten noch ergriffen werden? Und welche Alternativen zum Befischen der Wildbestände gibt es? Auf der Suche nach Antworten hat sich „W wie Wissen“ auf Fischkuttern und in Aquakulturen umgesehen.

Die Themen:

Big Brother auf dem Fischkutter
Seit Jahrzehnten streiten sich Fischer und Tierschützer in der Ostsee um eine traditionelle Fangmethode: die Stellnetzfischerei. Die Fischer nennen sie nachhaltig, die Tierschützer vermuten, dass in den Netzen der Mecklenburger Fischer jedes Jahr etwa 20.000 Seevögel und mehrere Schweinswale verenden. Gerade noch 600 Wale werden in der gesamten Ostsee vermutet. Aber sind daran wirklich die Stellnetze schuld? Um das herauszufinden und den Streit zu beenden, haben sich die Fischer zu einem besonderen Projekt bereit erklärt: Sie lassen sich beim Fischen rund um die Uhr überwachen, von mehreren Kameras, die vom Institut für Ostseefischerei an ihren Booten fest installiert sind. Auch einige Dorschkutter werden minutiös bei der Arbeit gefilmt. Ziel: detaillierte Daten über Art und Menge ihres unerwünschten Beifangs und die Erprobung neuer, besonders selektiver Netze.

Existenzangst trotz Krabbenschwemme
Sie gehören zu den besonders teuren Delikatessen aus dem Meer. Dabei sind Krabben weder selten noch besonders schwer zu fangen – im Gegenteil: Derzeit gibt es an der deutschen Nordseeküste eine regelrechte Krabbenschwemme. Möglicherweise eine Konsequenz aus der Misere ihrer Fressfeinde wie dem Kabeljau. Dennoch kämpfen auch die deutschen Krabbenfischer um ihre Existenz. Die Preise für die Schalentiere sind so niedrig, dass es sich zeitweise nicht mehr lohnte zu fischen. „W wie Wissen“ hat Krabbenfischer begleitet und ergründet, warum sie trotz „idealer“ Fangbedingungen und endlich praxisreifer Pulmaschinen kaum noch Geld verdienen. Und das bei stabil hohen Endverbraucherpreisen für Krabbensalat.

Off-Shore-Aquakultur – Fischfarmen auf hoher See
Der Ausbau der Aquakultur gilt als eine wichtige Maßnahme zum Schutz der Wildbestände. Doch gleichzeitig kann sie diese auch gefährden. Denn die „Massentierhaltung im Wasser“ belastet die Küstengewässer mit Fäkalien und Medikamenten. Diese Probleme wären lösbar, indem die Zuchtanlagen auf hoher See betrieben würden. Das jedenfalls glaubt der Meeresbiologe Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut und arbeitet an Lösungen. Doch weltweit gibt es sehr wenige Off-Shore-Aquakulturen, keine arbeitet rentabel. Und die Bedingungen in europäischen Gewässern sind alles andere als optimal. „W wie Wissen“ über die Herausforderungen einer umweltgerechteren Fischproduktion in rauen Gewässern.

Die Pangasius-Lüge
Ob tiefgefroren im Supermarkt oder gebraten in der Kantine – der Pangasius erfreut sich großer Beliebtheit. 40.000 Tonnen des Zuchtfisches landeten im vergangenen Jahr allein auf deutschen Tellern. Der Exot aus Asien schont nicht nur die Haushaltskasse, sondern auch die überfischten Meere, heißt es. Doch die Ökobilanz der Pangasiusmast ist schlecht, sie belastet Tier, Mensch und Umwelt. 90 Prozent der Pangasius-Filets stammen aus dem Mekong-Delta in Vietnam. „W wie Wissen“ wirft einen Blick hinter die Kulissen der Großindustrie und auf zahlreiche Missstände. Vom Einleiten chemisch belasteter Fischzucht-Abwässer in den Mekong über Aquakulturen, in denen die Fische auf engstem Raum in reinster Dreckbrühe gemästet werden bis zum quälenden Transport zur Schlachtung.

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