Mit den Jeepneys durch die Philippinen

Dienstag, 06. Dezember 2011

18.15 – 19.00 Arte
Popkultur auf Rädern. Dokumentation, 2008, Regie: Benjamin Leers, André Schäfer.

Individuell ist die Ausgestaltung der Jeepneys. Von religiösen Motiven über Popkulturzitate - die Fahrer benutzen ihre bunten Autos als Werbung in eigener Sache. Bild: ZDF / © Benjamin Leers

Billig, bunt und unverwüstlich. Seit mehr als 50 Jahren beherrschen die Jeepneys das Straßenbild der Philippinen. Die bunten, spritfressenden Fahrzeuge sind umgebaute, zu Bussen verlängerte Jeeps und bis heute das wichtigste Transport- und Nahverkehrsmittel in dem Inselstaat. Wie viele Jeepneys herumfahren, weiß keiner – Schätzungen zufolge sind es allein in „Metro Manila“, wie der Ballungsraum mit der Hauptstadt in seinem Zentrum genannt wird, über 200.000 Fahrzeuge. Aber die steigenden Benzinpreise bereiten auch ihren Erbauern und Chauffeuren zunehmend Sorgen. Hat der Jeepney eine Zukunft?

Die knallbunten Jeepneys beruhen ursprünglich auf US-Militärfahrzeugen und haben seit Jahrzehnten Kultstatus auf den Philippinen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließen die amerikanischen Soldaten ihre Jeeps auf dem Inselarchipel zurück. Da es nach dem Krieg vor allem in der wachsenden Metropole Manila kein Nahverkehrssystem gab, machten die Filipinos aus der Not eine Tugend, verlängerten die Militärfahrzeuge einfach um ein paar Meter – und fertig war ein Minibus, in den bis zu 25 Personen hineinpassen.

Doch die spritfressenden und reichlich Schadstoffe ausschleudernden Jeepneys wirken inzwischen wie Dinosaurier. „Diesel und Benzin werden immer teurer, irgendwann wird sich keiner mehr einen Jeepney leisten können“, sagt Ropino Morales, der in den letzten 20 Jahren die Bauweise der Jeepneys verändert hat und die Dächer seiner Wagen aus Fiberglas baut. Dadurch sind die Autos leichter und sicherer. In Morales‘ Werkstatt werden die Gefährte in Airbrushtechnik bemalt, um durch ihre kitschig-bunten Motive mehr Fahrgäste anzulocken.

Auf den Philippinen hat sich über die Jahrzehnte eine eigene Kultur um die Jeepneys und ihr „optisches Tuning“ etabliert. Viel Chrom, Extrascheinwerfer, Antennen und Fähnchen gehören einfach dazu. Je übertriebener und kitschiger das Erscheinungsbild, desto typischer für einen Jeepney. Die Gefährte verkörpern so etwas wie Popkultur auf Rädern. Sie rattern, rasen und schaukeln durch die übervölkerten Straßen der Millionenmetropole Manila, ebenso wie sie schönste Landschaften zwischen Reisfeldern, Palmen und Dschungel passieren. Wenn auch inzwischen auf den Philippinen herkömmliche Überlandbusse eingesetzt werden, stünde ohne die geländegängigen Jeepneys in manchen Landesteilen das Transportwesen still. Transportiert werden vor allem in der Provinz nicht nur Menschen, sondern auch Reissäcke, Kisten, Eisenstangen, Möbel, Tiere und Getränke – eben alles, was man zum Leben braucht.

Die Dokumentation erzählt eine Geschichte ganz persönlicher Lebensphilosophien, die sich um die Jeepneys ranken. Da ist zum Beispiel Ed Sarao, dessen Vater einst den Jeepney erfand und der hofft, dass sein Familienbetrieb noch weitere 50 Jahre besteht. Da ist Ropino Morales, der sich über die zu zahlenden Schmiergelder beklagt, die ihn selbst kaum noch etwas verdienen lassen. Und der Airbrushdesigner Jun Relon, der gerne die Kunstfertigkeit eines Leonardo da Vinci besäße. Sowie Marc Caguimbal, der in den Slums von Manila von einem besseren Leben als dem eines Jeepneyfahrers träumt.

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