Myanmar- Leben am großen Strom (1/2)

Montag, 30. September 2013

18.30 – 19.10 Arte
(1): Von Bhamo nach Mandalay. Dokumentation von Bernd Girrbach und Rolf Lambert, SWR 2013.

Myanmar, das einstige Birma, hat sich nach fünf Jahrzehnten Militärdiktatur geöffnet und demokratische Reformen begonnen. Ein Fluss prägt das Land , der Ayeyarwady. Er verbindet die wichtigsten historischen Orte Myanmars und ist gesäumt von goldglänzenden Stupas, Tempeln und Pagoden. Und nirgendwo sonst in Asien reihen sich so viele buddhistische Klöster auf wie am Ayeyarwady, der von der Mündung bis fast an die chinesische Grenze schiffbar ist. Am Mittel- und Oberlauf ist er noch heute oft die einzige Verbindung zur Außenwelt und viel befahren. Einen Monat lang fuhren die Filmemacher Rolf Lambert und Bernd Girrbach auf dem Fluss.

Die Reise beginnt in der Kleinstadt Bhamo und führt im ersten Teil der Dokumentation bis in das zauberhafte Mandalay, die letzte Hauptstadt des birmanischen Königreichs.

Über 2.170 Kilometer durchfließt der mächtigen Strom Ayeyarwady das Land – als Lebensader, Kulturstifter und zentraler Verkehrsweg. Er verbindet die wichtigsten historischen Orte Myanmars wie Mandalay, Bagan, Yangon und ist gesäumt von goldglänzenden Stupas, Tempeln und Pagoden.

Die Kleinstadt Bhamo war schon zu Kolonialzeiten der letzte Außenposten im Norden des Landes und Endstation der Ayeyarwady-Dampfer. Bis hierher ist der Fluss schiffbar. Früh morgens fährt eine altersschwache Regierungsfähre flussabwärts, passiert die „zweite Schlucht“.

Arbeitselefanten sind hier ein alltägliches Bild und im Dorf Wei Ma werden sie ausgebildet. Nicht weit entfernt wird in einer Mine das Gold des Ayeyarwady geschürft. In Katha, der ersten kleinen Stadt am Oberlauf, verwalteten einst die Briten das gesamte „Obere Burma“. Hier war der britische Schriftsteller George Orwell als Polizist stationiert.

Früh am Morgen legt hier ein privates „Expressboot“ ab, eine junge Frau von 27 Jahren ist die Eignerin. Sie fürchtet den gefährlichen Frühnebel, denn der Ayeyarwady ist breit, aber nicht tief. Überall lauern wandernde Untiefen. Gegen Mittag stoppt sie wie viele andere Boote an der kleinen Tempelstadt Ti Giang. Deren Bewohner leben davon, für die vielen durchfahrenden Bootspassagiere köstliches Mittagessen zu kochen.

Eine Tagesreise flussabwärts liegt das Dorf Myit Tan Gyi, ein „Delfindorf“. Dort hilft eine Population Süßwasserdelfine den Fischern bei der Arbeit. Die Delfine treiben ihnen Fische zu und geben mit der Rückenflosse Zeichen, die Netze zu werfen.

Immer wieder sieht man auf dem Fluss große Bambusflöße, auf denen Familien campieren. Ihr Ziel ist Mandalay. Zauberhaft ist die zweitgrößte Stadt Myanmars und letzte Hauptstadt des birmanischen Königreiches umgeben von Tempeln und Klöstern. Hier betreibt die 30-jährige San San Shwe ein Geschäft, das es nur in Mandalay gibt. Ihre „Goldschläger“ hämmern jenes hauchfeine Blattgold, das die Buddha-Statuen im ganzen Land verziert.

Zusatzinfo:
Für das Filmteam war es eine Zeitreise in ein „Asien vor 30 Jahren“. Isolation und Wirtschaftssanktionen haben Myanmar vom Aufbruch Asiens bisher ferngehalten. Das ändert sich gerade. Die zweiteilige Dokumentation zeigt „ein Land, das sich rasant verändern wird“, sind sich die Filmemacher sicher. Mit Kameramann Alok Upaphyay haben sie sich mit den Besten von Birmas jungen Filmtalenten verbündet: Ko Same (zweite Kamera), Sai Kong Kham (Ton) und We Ra (Organsation), um in gemischten Teams den Menschen nahezukommen. Die Wende im Land, berichten sie, ist auch fernab der Städte spürbar. Erstmals erteilte die Regierung eine umfassende Dreherlaubnis und verzichtete darauf, einen staatlichen Aufpasser mitzuschicken.

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