Tod nach Abschiebung

Donnerstag, 24. Oktober 2013

22.30 – 23.15 WDR
Menschen hautnah. Ein Film von Hauke Wendler und Carsten Rau.

Wadim K. ist in Deutschland aufgewachsen, zur Schule, zum Sport und in die Ministrantengruppe gegangen. Er sprach deutsch, er hatte deutsche Freunde, er fühlte sich als Deutscher. Doch einen deutschen Pass hat Wadim nie erhalten, weil er mit seiner Familie 1992 als Flüchtling nach Hamburg kam.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion fühlen sich Wadims russischstämmige Eltern in Lettland nicht mehr sicher. Doch in Deutschland wird ihr Asylantrag abgelehnt. Es folgen 13 Jahre zwischen Duldungen, Arbeitsverbot und Sammelunterkünften. Die Eltern brechen unter dem Druck zusammen, erkranken an schweren Depressionen. Die Kinder sind mehr und mehr auf sich gestellt.

2005 versucht die Ausländerbehörde die Familie abzuschieben. Der nächtliche Einsatz endet im Desaster: Die Mutter schneidet sich die Pulsadern auf, der Vater landet in Untersuchungshaft. Wadim wird mit 18 Jahren allein nach Lettland abgeschoben – in ein Land, an das er sich kaum erinnern kann. Fünf Jahre lang sucht er ein neues Zuhause für sich: Erst in Riga, später irrt er durch Frankreich, Belgien und die Schweiz, wird erneut nach Lettland deportiert. Bei seinem letzten illegalen Besuch in Hamburg nimmt Wadim sich das Leben. Er ist 23 Jahre alt.

Die eindringliche Dokumentation zeigt, wie verzweifelt Menschen um einen Platz in Deutschland kämpfen. Sie hinterfragt das starre Aufenthaltsrecht und seine oft unerbittliche Auslegung. Zählt der Einzelne nichts, auch wenn er überwiegend in Deutschland aufwuchs? Was ist Heimat? Und darf man sie einem Menschen per Gesetz einfach wegnehmen?

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