Vietnams vermintes Paradies

Mittwoch, 28. Oktober 2015 | 12.25 – 13.20 Arte

360° – Geo Reportage, Frankreich, Deutschland, 2009, ARTE, Regie: Therese Engels.

In Vietnams Nationalpark Phong Nha-Ke Bang werden jedes Jahr neue Tiere und Pflanzen entdeckt, und das obwohl die Wälder gerodet und die Tiere gejagt werden. Das Gebiet ist noch immer vom Krieg geprägt: Bis heute suchen Menschen nach Blindgängern und machen sie zu Geld. Ein gefährliches Geschäft, das allmählich erlahmt. Die Einheimischen suchen deshalb nach Alternativen zu Minensammeln und Wilderei. Dabei entdecken sie schließlich eine neue Einnahmequelle – im Nationalpark. „360° Geo Reportage“ hat die Region besucht und den ehemaligen Wilderer Nguyen Van Hoan bei seinen Patrouillen als Helfer der örtlichen Ranger begleitet.

Der Handel mit Wildtieren ist ein lukratives Geschäft. Eine Tierauffangstation bei Hanoi zeigt, welche Tiere aus und durch Vietnam geschmuggelt werden. Dieses Tigermännchen hat sich so an den Menschen gewöhnt, dass er nicht mehr ausgewildert werden kann.  Bild: ARTE / © Medienkontor FFP/Therese Engels

Der Handel mit Wildtieren ist ein lukratives Geschäft. Eine Tierauffangstation bei Hanoi zeigt, welche Tiere aus und durch Vietnam geschmuggelt werden. Dieses Tigermännchen hat sich so an den Menschen gewöhnt, dass er nicht mehr ausgewildert werden kann.
Bild: ARTE / © Medienkontor FFP/Therese Engels

 

Der Artenreichtum des Nationalparks Phong Nha-Ke Bang in Vietnam ist enorm. Im grünen Dickicht der schwer zugänglichen Region leben Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgendwo mehr gibt. Alleine 150 Arten von Amphibien und Reptilien hat man bisher im Park nachgewiesen. In den letzten zehn Jahren wurden zahlreiche neue Arten entdeckt. Was für die Wissenschaftler einem Garten Eden gleicht, war für die Einheimischen lange Zeit ein Laden mit Selbstbedienung. Dort haben sie gewildert, geplündert und widerrechtlich Bäume gefällt.

Seit die Unesco den Park zum Weltnaturerbe erklärt und die Parkverwaltung gezeigt hat, dass sie mit den Touristen Geld verdienen kann, achtet man hier auf die Natur. Weil niemand den Park so gut kennt wie die Einheimischen, können sie sich jetzt zu Parkrangern ausbilden lassen. Einer von ihnen ist der Bauer Nguyen Van Hoan. Jahrelang hat er gewildert, Affen und seltene Rinder geschossen. Seit er dafür aber bestraft worden ist und zugleich das Angebot bekam, für die Parkverwaltung zu arbeiten, ist er selbst Wilderern auf der Spur und führt Wissenschaftler durch das unwegsame Gelände.

Hoan ist nur ein Beispiel für den Wandel und den Enthusiasmus, den die Menschen im Nationalpark erfahren. Die Schrotthändlerin Ho Thi Hau, die jahrelang vom Verkauf alter und teilweise noch explosiver Minen gelebt hat, verdient ihr Geld seit neuestem als Fotografin. Ganze Dörfer werden umgesiedelt, mit dem Einverständnis und der Mitbestimmung der Bewohner. Nachdem die Natur im Vietnam jahrelang ausgebeutet wurde, regeneriert sie sich nun blitzschnell. Die Chancen für den Nationalpark stehen gut, zu einem neuen Paradies zu werden.

Bild: ARTE / © Medienkontor FFP/Therese Engels

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