Fast zwei Millionen Kinder sind in den vergangenen 18 Monaten in ihre Heimatorte in Syrien zurückgekehrt. Save the Children warnt jedoch davor, diese hohe Zahl als Zeichen für eine sichere Lage im Land zu missverstehen. Viele Familien fänden bei ihrer Rückkehr zerstörte Häuser, fehlende Grundversorgung und lebensgefährliche Sprengkörper vor.
Nach Angaben des UNHCR sind seit Dezember 2024 mehr als 1,6 Millionen Geflüchtete nach Syrien zurückgekehrt, darunter 953.000 Kinder. Save the Children geht zudem davon aus, dass mehr als eine Million Kinder, die innerhalb Syriens vertrieben waren, ebenfalls in ihre Herkunftsgebiete zurückgekehrt sind. Damit handelt es sich nach Einschätzung der Organisation um die weltweit größte freiwillige Rückkehrbewegung.
Gleichzeitig bleibt die humanitäre Lage dramatisch. Fast 70 Prozent der Bevölkerung in Syrien sind weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 7,5 Millionen Kinder. Save the Children warnt deshalb, dass viele Rückkehrerinnen und Rückkehrer in Gebiete kommen, in denen grundlegende Bedingungen für ein sicheres Aufwachsen fehlen.
Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, betont, dass Familien zwar mit der Hoffnung auf Sicherheit zurückkehrten, die Realität vor Ort aber oft unzumutbar sei. Kinder könnten nicht neu anfangen, wenn sie hungerten, kein sauberes Wasser hätten, keine Schule besuchen könnten und selbst beim Spielen fürchten müssten, auf Blindgänger zu stoßen.
Wie schwierig die Lage ist, zeigt nach Angaben der Organisation auch das Beispiel der zwölfjährigen Lina. Sie kehrte mit ihrer Familie in ihr Dorf zurück, fand dort jedoch sowohl das Elternhaus als auch die Schule zerstört vor. Die Familie blieb deshalb nicht, sondern ging wieder zurück in ein Camp.
Eine Umfrage von Save the Children unter 90 syrischen Haushalten bestätigt dieses Bild. Fast zwei Drittel der befragten Familien gaben an, bei ihrer Rückkehr beschädigte oder zerstörte Häuser vorgefunden zu haben. Ebenso viele berichteten von schlechtem Zugang zu Wasser und Strom. Viele Familien denken deshalb offenbar bereits darüber nach, ihre Heimat erneut zu verlassen. Drei Viertel nannten als möglichen Grund eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, fast zwei Drittel eine Verschlechterung der Sicherheitslage.
Besonders stark betroffen sind Kinder und Jugendliche. Mädchen sind laut Save the Children häufig mit unsicheren Schulwegen, Schulabbrüchen und dem Risiko von Frühehen konfrontiert. Kinder mit Behinderungen würden oft von Hilfsangeboten ausgeschlossen. Hinzu komme die allgegenwärtige Gefahr durch nicht explodierte Munition, die sowohl auf Feldern als auch entlang täglicher Wege eine ernste Bedrohung darstelle.
Auch das Gesundheitssystem ist weiterhin massiv geschwächt. Nur etwas mehr als die Hälfte der Krankenhäuser und nur rund ein Drittel der Gesundheitszentren gelten laut der Organisation als vollständig funktionsfähig. Damit fehlt es in vielen Regionen auch an medizinischer Versorgung für zurückkehrende Familien.
Save the Children fordert deshalb die syrische Regierung, internationale Geber und die internationale Gemeinschaft auf, bei allen Entscheidungen zur Rückkehr von Geflüchteten die Sicherheit, Rechte und Grundversorgung von Kindern in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu gehören aus Sicht der Organisation vor allem die großflächige Räumung von Sprengkörpern, der Wiederaufbau von Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung und Bildung sowie die Ausstellung von Ausweisdokumenten für zurückkehrende Kinder.
Save the Children ist seit 2012 in Syrien aktiv und unterstützt nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Menschen, darunter über drei Millionen Kinder. Nach dem politischen Umbruch Ende 2024 hat die Organisation ihre Arbeit im Land weiter ausgeweitet.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Save the Children Deutschland e.V./Veröffentlicht am 19.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.