Extreme Hitze bedroht Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeiter

By Nima

Weltweit sind Millionen Beschäftigte in der Textil- und Bekleidungsindustrie zunehmend durch steigende Temperaturen gefährdet. Das internationale Netzwerk der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) mahnt Modeunternehmen, Zulieferbetriebe und Regierungen eindringlich, die Arbeitskräfte in dieser Branche wirksamer vor extremer Hitze und deren Folgen zu schützen.

Rund 72 Millionen Menschen sind weltweit in diesem Industriezweig tätig. Im aktuellen Positionspapier mit dem Titel „Hitze und Rechte von Textilarbeiter*innen“ weist die CCC darauf hin, dass die zunehmende Erderwärmung erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit und Einkommen der Beschäftigten in Produktionsländern hat. Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen betonen, dass grundlegende Arbeitsrechte besser geschützt und die Perspektiven der Betroffenen stärker eingebunden werden müssen. Mit Blick auf die laufende Klimakonferenz COP30 erhält diese Forderung zusätzliche Dringlichkeit.

Aus der Kampagne wird hervorgehoben, dass die Weltklimakonferenz entscheidende Impulse für Klimaschutz und Anpassungsstrategien setzen müsse – von widerstandsfähigen Infrastrukturen bis hin zu einer gerechten und inklusiven Transformation. Zudem wird darauf verwiesen, dass die Modeindustrie wesentlich zur Klimakrise beiträgt und der Schutz ihrer Beschäftigten daher ein zentraler Maßstab für die Glaubwürdigkeit ihrer Klimapolitik sei.

Zentrale Forderungen der CCC

Im Positionspapier werden verbindliche Maßnahmen und klare Zuständigkeiten gefordert, um Beschäftigte künftig besser vor Hitze zu schützen:

  • Gesundheitsschutz: Maßnahmen, die sich an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientieren, wie Temperaturüberwachung oder ausreichende Trinkwasserversorgung.

  • Existenzsicherung: Lohnfortzahlung sowie sozialer Schutz bei krankheits- oder hitzebedingten Produktionsausfällen.

  • Achtung der Menschenrechte: Insbesondere für Frauen, Migrantinnen und Migranten sowie Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter, die oft besonders stark von Lohnausfällen oder zunehmender Diskriminierung betroffen sind.

  • Klimaverantwortung: Verringerung von Emissionen und Umsetzung nachhaltiger Produktionsweisen entlang der Lieferketten.

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Arbeitsbedingungen in überhitzten Fabriken

In vielen Produktionsstätten heizen sich Metalldächer stark auf, während gleichzeitig die Belüftung unzureichend ist. Beschäftigte arbeiten dort häufig ohne ausreichende Pausen. Berichte aus Sri Lanka zeigen, dass insbesondere Frauen stundenlang in extremer Hitze arbeiten müssen, teils bis zur Ohnmacht. Aktivistinnen vor Ort weisen zudem darauf hin, dass mit steigenden Temperaturen auch Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung zunehmen.

Gewerkschaftsvertretende aus Indonesien weisen darauf hin, dass Beschäftigte nicht die Folgen tragen dürften, wenn Fabriken aufgrund der Hitze nicht sicher betrieben werden können. Markenunternehmen müssten Verantwortung übernehmen, sichere Arbeitsbedingungen gewährleisten und ihre Produktionsaufträge anpassen, sobald Temperaturen das Arbeiten gefährlich machen.

Dringender Handlungsbedarf bei Unternehmen und Regierungen

Obwohl Schutzmaßnahmen wie bessere Belüftung, zusätzliche Pausen oder veränderte Arbeitszeiten längst bekannt sind – wie Recherchen des Business & Human Rights Resource Centre (2025) zeigen –, haben bislang nur wenige Modeunternehmen eine öffentlich nachvollziehbare Strategie zum Umgang mit extremer Hitze entwickelt.

Expertinnen und Experten betonen, dass die COP30 eine Chance biete, die Risiken von Hitze am Arbeitsplatz besser zu adressieren. Dazu gehörten auch stärkere Beteiligungsmöglichkeiten für Beschäftigtenvertretungen und Vertreterinnen und Vertreter des informellen Sektors. Regierungen müssten die Möglichkeit nutzen, verbindliche Maßnahmen zu vereinbaren, um die Klimakrise zu begrenzen und sozial gerechte Anpassungen in vielen Branchen zu ermöglichen. Damit könne gezeigt werden, dass der Gedanke einer sozial gerechten Transformation ernst genommen werde – weit über den Energiesektor hinaus.

Hitze als strukturelle Bedrohung von Arbeitsrechten

Extreme Hitze am Arbeitsplatz ist kein isoliertes Problem, sondern eine grundlegende Frage von Gerechtigkeit, Gesundheit und Lebensschutz. Sie trifft vor allem jene Menschen, die selbst am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Zugleich verschärft sie bestehende Ungleichheiten – von ausbeuterischen Arbeitsbedingungen über Belästigung bis hin zu Einkommensverlusten. Die CCC weist darauf hin, dass Unternehmen eine Verantwortung dafür tragen, sichere Arbeitsplätze zu schaffen und die Existenzgrundlagen der Beschäftigten zu sichern, wenn hohe Temperaturen die Produktion beeinträchtigen.

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Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Clean Clothes Campaign – Kampagne für Saubere Kleidung/Veröffentlicht am 18.11.2025