Die Kombination aus Klimakrise, bewaffneten Auseinandersetzungen und sinkenden Mitteln für humanitäre Hilfe dürfte im Jahr 2026 weltweit zu einem spürbaren Anstieg gefährlicher Krankheiten bei Kindern führen. Besonders im Blick stehen Cholera, Masern, Malaria, Tuberkulose sowie Durchfallerkrankungen – allesamt Leiden, die für Kinder potenziell tödlich sein können.
In zahlreichen Regionen haben Konflikte und extreme Wetterereignisse die medizinische Versorgung massiv geschwächt. Gleichzeitig nehmen Ernährungskrisen zu. Diese Faktoren begünstigen die schnelle Ausbreitung von Infektionskrankheiten, vor allem bei unterernährten Kindern mit geschwächtem Immunsystem. Verschärft wird die Lage durch weltweite Kürzungen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die bereits im Vorjahr zur Einstellung vieler Gesundheitsprogramme geführt haben.
Der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, Florian Westphal, erklärte rückblickend, dass das Jahr 2025 für die globale Gesundheit äußerst problematisch gewesen sei. Entscheidend sei nun, die Situation als Wendepunkt zu begreifen und 2026 entschlossen zu handeln. Verzögerungen seien nicht vertretbar, da für erkrankte Kinder jeder einzelne Tag zähle. Er machte deutlich, dass sowohl staatliche Stellen als auch private Unterstützende Verantwortung trügen, um zu verhindern, dass Kinder an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten sterben. Die notwendigen Impfstoffe, Medikamente und Konzepte für stabile Gesundheitssysteme seien vorhanden, es fehle jedoch an konsequenter Umsetzung. Gesundheit müsse als grundlegendes Kinderrecht verstanden werden und dürfe nicht von finanziellen Engpässen abhängen.
Fünf Krankheiten mit besonderer Bedeutung im Jahr 2026
Cholera
Die über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel übertragene Krankheit könnte weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere dort, wo Konflikte andauern und Extremwetter den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen einschränkt. Zwar lag die weltweite Zahl der registrierten Fälle 2025 mit mindestens 581.500 unter dem Vorjahreswert, gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der Todesfälle auf rund 7.200. In stark von Hilfskürzungen betroffenen Konfliktregionen wie dem Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo nahmen die Fallzahlen besonders deutlich zu.
Masern
Trotz eines verfügbaren und sicheren Impfstoffs erleben Masern eine gefährliche Rückkehr. Die Fallzahlen waren 2025 zwar niedriger als im Jahr zuvor, lagen jedoch immer noch viermal höher als 2021. Die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass Einschnitte in Impfprogramme 2026 erneut zu einem weltweiten Anstieg führen könnten. Besonders betroffen sind instabile Regionen mit anhaltenden Konflikten. In Somalia etwa vervielfachten sich die Fälle 2025, nachdem zahlreiche Gesundheitseinrichtungen aufgrund fehlender Finanzierung schließen mussten oder akut gefährdet waren.
Malaria
Die über Jahre hinweg erzielten Fortschritte in der Malariabekämpfung geraten ins Stocken, obwohl mittlerweile Impfstoffe existieren. Seit einem Jahrzehnt steigen die Fallzahlen kontinuierlich an. Für 2024 wurden rund 282 Millionen Infektionen und etwa 610.000 Todesfälle geschätzt. Am stärksten betroffen sind Kinder unter fünf Jahren sowie die Bevölkerung in Subsahara-Afrika. Die WHO weist darauf hin, dass Resistenzen gegen Medikamente, Finanzkürzungen, Extremwetter und humanitäre Krisen gemeinsam zu einem weiteren Anstieg führen könnten.
Tuberkulose (TB)
Internationale Finanzmittel zur Bekämpfung von Tuberkulose wurden gekürzt, obwohl die Finanzierung bereits seit 2020 stagnierte. Fachleute gehen davon aus, dass anhaltende Einsparungen langfristig gravierende Folgen haben: Bis 2034 könnten zusätzlich rund 8,9 Millionen Kinder unter 14 Jahren an TB erkranken und etwa 1,5 Millionen weitere sterben – vor allem in Afrika und Südostasien. Zwar kann TB Menschen jeden Alters betreffen, doch Kinder, insbesondere unter fünf Jahren, erkranken häufiger und entwickeln oft schwerere Krankheitsverläufe.
Durchfallerkrankungen
Durchfall wird häufig unterschätzt, zählt jedoch weiterhin zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Jährlich sterben nahezu 500.000 Kinder an den Folgen. Ein Großteil dieser Erkrankungen ließe sich durch sauberes Trinkwasser, funktionierende Sanitäranlagen und bessere Hygienebedingungen verhindern. Studien deuten darauf hin, dass die Klimakrise erheblich zur Verbreitung beiträgt: Steigende Temperaturen und anhaltende Dürreperioden verschärfen die Wasserknappheit und führten zuletzt insbesondere in Süd- und Südostasien zu steigenden Fallzahlen.
Hintergrundinformationen
Nach Angaben von Unicef starben im Jahr 2023 weltweit rund 4,8 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Save the Children engagiert sich international dafür, Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen, und leistet auch in abgelegenen Regionen sowie aktiven Konfliktgebieten lebensrettende Hilfe. Im Jahr 2024 erreichten die Gesundheits- und Ernährungsprogramme der Organisation weltweit 41,2 Millionen Kinder.
Schätzungen zufolge gingen die Mittel für den Gesundheitssektor in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen im Jahr 2025 um mindestens 20 Prozent zurück, mit besonders starken Einschnitten in Subsahara-Afrika. Für 2026 wird erwartet, dass noch weniger Gelder für die medizinische Grundversorgung von Kindern zur Verfügung stehen. Gleichzeitig lebten 2024 rund 520 Millionen Kinder in Konfliktgebieten – so viele wie nie zuvor.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Save the Children Deutschland e.V./Veröffentlicht am 05.01.2026