Nur ein bis drei Fingerbreit Wasser bleiben Farah in Somaliland, um ihre Kinder über den Tag zu bringen. Der Brunnen ist ausgetrocknet, das letzte Nutztier verendet. In vielen Regionen mangelt es mittlerweile an lebenswichtigen Dingen wie sauberem Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung – besonders dort, wo sich Geberländer aus der humanitären Unterstützung zurückgezogen haben. Auch das Camp, in dem Farah lebt, war einst auf Hilfe angewiesen, die nun ausgeblieben ist. Noch vor Kurzem wurde es über einen CARE-Wassertank mit kostenlosem Trinkwasser versorgt. Doch mit dem Ende der Projektfinanzierung versiegt auch diese Versorgung – zurück bleibt ein rostiger Hahn, der keinen Tropfen mehr liefert. Für Farah und viele andere bleibt täglich nur die Sorge ums nackte Überleben.
Während sich die humanitäre Lage zuspitzt, richtet sich der Blick auf Länder wie Deutschland – Staaten, die bislang als verlässliche Partner galten. Doch mit dem vom Kabinett verabschiedeten Entwurf für den Bundeshaushalt 2026 setzt auch Deutschland ein besorgniserregendes Zeichen: Die Mittel für humanitäre Hilfe sollen auf dem drastisch reduzierten Niveau des Vorjahres eingefroren werden. Das bedeutet im Vergleich zu 2024 eine Kürzung von mehr als 50 Prozent – ein historisches Tief. Auch das Entwicklungsministerium muss erneut Einschnitte hinnehmen. Besonders stark betroffen sind Programme, die auf den Wiederaufbau nach Krisen und die Stärkung der Zivilgesellschaft zielen.
CARE Deutschland bezeichnet diesen Sparkurs als unverantwortlich. Die Organisation warnt davor, dass Deutschland sich damit dem globalen Trend zu Rückzug und Abschottung anschließt, anstatt in Zeiten wachsender Krisen Führungsverantwortung zu übernehmen. Wer gerade denjenigen die Unterstützung entzieht, die sie am dringendsten benötigen, gefährdet nicht nur deren Überleben, sondern verliert auch international an Glaubwürdigkeit.
Humanitäre Hilfe ist kein Akt der Wohltätigkeit – sie ist ein strategisches Investment in eine stabilere, friedlichere Welt. Weitere Kürzungen gefährden langfristig das Vertrauen in internationale Partnerschaften und reduzieren den politischen Handlungsspielraum in einer zunehmend instabilen Weltordnung.
CARE appelliert eindringlich an den Bundestag, diese Richtung zu korrigieren. Die Mittel für humanitäre Hilfe müssen mindestens wieder auf das Niveau von 2024 angehoben werden. Auch die Entwicklungszusammenarbeit darf nicht weiter geschwächt werden – insbesondere dort nicht, wo zivilgesellschaftliche Akteure oft die einzige verbleibende Stütze für notleidende Menschen sind.
Die Organisation mahnt, dass Sonntagsreden über Solidarität nicht ausreichen – gebraucht werden konkrete Hilfen wie Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung und Schutz. Der aktuelle Haushaltsentwurf versage genau das. Er drohe bestehende Notlagen zu verschärfen und neue Krisen auszulösen. Wer heute spare, müsse morgen mit den Folgen rechnen: Instabilität, Hunger, Fluchtbewegungen und ein schwindendes Vertrauen in die internationale Politik. Nun liege es am Bundestag zu beweisen, dass Deutschland zu seiner Verantwortung steht – und dass Solidarität kein verhandelbares Gut ist.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von CARE Deutschland e.V./ Veröffentlicht am 30.07.2025