In zwei weiteren Regionen im Sudan wächst das Risiko einer Hungersnot. Neue Daten der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) zeigen: In Nord-Darfur sind im Distrikt Um Baru fast 53 Prozent der Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt, im Distrikt Kernoi liegt der Anteil bei rund 34 Prozent. Damit ist eine zentrale Voraussetzung für die Einstufung als Hungersnot erfüllt (Stufe 5 – die höchste Stufe der IPC-Skala).
Schon zuvor hatte sich die Ernährungslage in den vom Konflikt betroffenen Landesteilen dramatisch zugespitzt. Im August 2024 wurde im Geflüchtetencamp Zamzam in Nord-Darfur eine Hungersnot bestätigt, im September 2025 folgten Bestätigungen für Al-Fashir und Kadugli.
Der aktuelle IPC-Bericht warnt nun vor einer weiteren Ausbreitung akuter Mangelernährung im gesamten Sudan im Jahr 2026. Erwartet wird, dass die Zahl betroffener Kinder unter fünf Jahren sowie schwangerer und stillender Frauen um 13,5 Prozent steigt – von 3,7 Millionen im Jahr 2025 auf knapp 4,2 Millionen im Jahr 2026. Einige Familien haben nach Angaben aus dem Bericht bereits ihr gesamtes Vermögen, darunter Land und Vieh, verkauft, um Lebensmittel zu beschaffen. Andere greifen zu Samen, die eigentlich für die Aussaat im kommenden Jahr vorgesehen waren.
Mohamad Abdiladif, Länderdirektor von Save the Children im Sudan, erklärte, in vielen Regionen hänge das Überleben von Kindern an einem sehr dünnen Faden; einige würden bereits an den Folgen von Hunger sterben. Besonders gefährdet seien Menschen, die vor Kämpfen fliehen mussten, sowie Familien in schwer erreichbaren Gebieten, die inzwischen mit extremer, lebensbedrohlicher Nahrungsknappheit konfrontiert seien. Abdiladif betonte zudem, es brauche dringend Unterstützung der Geberländer, um Versorgungsketten wiederherzustellen, und gleichzeitig anhaltenden diplomatischen Druck auf die Konfliktparteien. Außerdem müsse die Zivilbevölkerung geschützt und ein sicherer, ungehinderter Zugang für humanitäre Hilfe gewährleistet werden.
Auch die Fälle schwerer akuter Mangelernährung – der gravierendsten Form von Hunger – dürften laut Prognosen zunehmen: Erwartet werden rund 800.000 Fälle, etwa vier Prozent mehr als 2025. Diese Form der Mangelernährung ist akut lebensbedrohlich und verlangt sofortige Behandlung. Gleichzeitig ist das Gesundheitssystem in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. Krankenhäuser in Konfliktregionen wurden angegriffen, zerstört oder geplündert; vielerorts fehlen Fachkräfte und Medikamente.
Doch schon akute Mangelernährung kann für Kinder tödlich enden. Betroffene sterben nicht nur an Hunger und Dehydrierung, sondern auch an Erkrankungen, die bei gut versorgten Kindern in der Regel behandelbar wären. Darüber hinaus drohen langfristige, nicht rückgängig zu machende Folgen: Wachstumsstörungen, Einschränkungen der kognitiven Entwicklung, Lernschwierigkeiten und ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen.
Save the Children ist seit 1983 im Sudan aktiv und unterstützt Kinder und Familien landesweit mit Programmen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Kinderschutz und Existenzsicherung.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Save the Children Deutschland e.V./Veröffentlicht am 05.02.2026