Die Deutschen Kinderhospiz Dienste widersprechen der Einschätzung des Bundesverbands Kinderhospiz, wonach Deutschland bei stationären Kinderhospizen ausreichend versorgt sei. Nach Angaben der Organisation leben in Deutschland mindestens 100.000 Kinder und Jugendliche mit einer lebensverkürzenden Erkrankung. Viele von ihnen werden voraussichtlich nicht das Erwachsenenalter erreichen.
Aktuell macht der Bundesverband Kinderhospiz mit dem Kinder-Lebens-Lauf bundesweit auf das Thema aufmerksam. In einem Interview mit dem SWR hatte Geschäftsführerin Franziska Kopitzsch die Bedeutung der Kinderhospizarbeit hervorgehoben und zugleich von einer ausreichenden Abdeckung mit stationären Kinderhospizen gesprochen.
Dieser Bewertung schließen sich die Deutschen Kinderhospiz Dienste nicht an. Sie verweisen auf eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin, nach der die 24 bestehenden stationären Kinderhospize nur einen sehr kleinen Teil des tatsächlichen Bedarfs decken können. Die maximale Abdeckung liege demnach bei 6,24 Prozent.
Um der Unterversorgung entgegenzuwirken, planen die Deutschen Kinderhospiz Dienste den Bau ihres ersten stationären Kinder- und Jugendhospizes in Frankfurt am Main.
Gesetzlicher Anspruch trifft auf zu wenige Plätze
Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern leisten häufig über viele Jahre häusliche Intensivpflege. Ohne Entlastung durch kinderhospizliche Angebote ist diese Belastung nach Einschätzung der Deutschen Kinderhospiz Dienste kaum dauerhaft zu bewältigen.
Betroffene Familien haben in Deutschland grundsätzlich Anspruch auf zunächst vier Wochen Entlastungspflege pro Jahr in einem stationären Kinderhospiz. Bei mindestens 100.000 betroffenen Kindern und Jugendlichen ergibt sich daraus bundesweit ein rechnerischer Bedarf von 400.000 Aufenthaltswochen pro Jahr.
Dem stehen derzeit 24 stationäre Kinderhospize mit durchschnittlich zehn Plätzen gegenüber. Selbst bei vollständiger Auslastung könnten sie insgesamt nur 12.480 Belegwochen anbieten.
Familien finden oft keinen Entlastungsplatz
Thorsten Haase, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Kinderhospiz Dienste, sieht darin eine klare Unterversorgung. Familien müssten häusliche Intensivpflege häufig ohne die notwendige und gesetzlich vorgesehene Entlastung leisten.
Diese Situation zeige sich auch in der täglichen Arbeit der ambulanten Kinderhospizdienste. Dort werde immer wieder deutlich, wie schwierig oder teilweise unmöglich es für Familien sei, einen Platz für einen stationären Aufenthalt zu erhalten.
Nach Einschätzung Haases kann das schwerwiegende Folgen haben. In einzelnen Fällen hätten fehlende Entlastungsmöglichkeiten zu gesundheitlichen Problemen innerhalb der Familien geführt. Dadurch könnten auch hohe Folgekosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft entstehen.
Kinderhospize dienen nicht nur der letzten Lebensphase
Die Deutschen Kinderhospiz Dienste betonen, dass stationäre Kinder- und Jugendhospize anders funktionieren als Hospize für Erwachsene. Kinder und Jugendliche kommen nicht ausschließlich zum Sterben dorthin.
Vielmehr können Familien ab der Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung Entlastungsaufenthalte nutzen. Diese Aufenthalte sollen das gesamte Familiensystem stabilisieren und Eltern dabei helfen, die intensive Pflege langfristig leisten zu können.
Die Entlastung sei entscheidend, damit Eltern die notwendige Pflegequalität aufrechterhalten können. Für schwer erkrankte Kinder und Jugendliche könne diese Pflegequalität lebensnotwendig sein.
Studie zeigt hohen Entlastungsbedarf
Nicht alle betroffenen Familien wünschen sich einen stationären Aufenthalt. Dennoch verweist Thorsten Haase auf die Studie „Bedürfnisse von Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen“ von Prof. Sven Jennessen, Mona Dennier, Charlotte Baumgärtel und Kristin Fellbaum von der Humboldt-Universität zu Berlin.
Danach wünschen sich 80 Prozent der befragten Familien mindestens 14 Tage Entlastungspflege pro Jahr in einem stationären Kinder- und Jugendhospiz.
Wird dieser Wunsch berücksichtigt und zugleich eine realistische Auslastungsquote der bestehenden Hospize von 80 Prozent zugrunde gelegt, reicht das aktuelle Angebot nach Berechnung der Deutschen Kinderhospiz Dienste nur für 6,24 Prozent des tatsächlichen Bedarfs aus.
Kinderhospiz in Frankfurt geplant
Mit dem geplanten „Mein Kinderhospiz Frankfurt“ wollen die Deutschen Kinderhospiz Dienste zusätzliche Plätze schaffen. Das Haus soll im Nordosten von Frankfurt am Main entstehen und zehn Gästezimmer für erkrankte Kinder und Jugendliche bieten.
Zwei dieser Zimmer sollen flexibel gestaltet werden, damit sie auch den Bedürfnissen erkrankter Jugendlicher und junger Erwachsener gerecht werden können.
Zusätzlich sind Zimmer für Eltern und Geschwister vorgesehen. Geplant sind Familien-, Doppel- und Einzelzimmer, damit die gesamte Familie während eines Aufenthalts begleitet und entlastet werden kann.
Nach Angaben der Deutschen Kinderhospiz Dienste sollen durch das neue Kinder- und Jugendhospiz dringend benötigte Plätze für rund 900 betroffene Familien in der Region entstehen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsche Kinderhospiz Dienste e. V./Veröffentlicht am 27.07.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.