Die rasenden Engel der Línea 5

Samstag, 24. Oktober 2015 | 08.55 – 09.45 Arte

360° – Geo Reportage, Deutschland/Frankreich 2004, ARTE

Über die höchste Bergkette Kolumbiens führt nur eine einzige für Lastwagen befahrbare Passstraße, die Línea 5. In unendlichen Kurven und Windungen geht es bis auf 3.200 Meter hinauf und wieder hinunter. Steile Serpentinen, Wetterstürze und Nebelschwaden machen die Passüberquerung extrem gefährlich. An diesem Nadelöhr leben die sogenannten Balineros, die “Kugellagerer”. Auf selbstgezimmerten Karren, die sie aus ein paar Brettern und den heiß begehrten Kugellagern zusammenbauen, rasen sie überall hin, wo sie gebraucht werden. So ist die Línea 5 für Loco Wohnort, Arbeitsplatz und Lebenssinn – trotz der täglichen Gefahr durch Verkehr und Guerilla.

Bei jedem Wetter patrouillieren die Balineros mit ihren selbstgebauten Karren auf der höchsten und gefährlichsten Passstraße Kolumbiens – der Línea 5. Bild: ARTE / © Medienkontor FFP

Kolumbien ist durch einen über 50 Jahre dauernden Bürgerkrieg beinahe unregierbar geworden. Bedrohungen gehören zum Alltag. Unter diesen Bedingungen ist es nicht einfach, die Menschen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Fernfahrer mit ihren Schwertransportern halten die Verbindung zwischen den Städten und Regionen aufrecht. Auf ihrem Weg durch Kolumbien müssen sie die Anden überqueren.

Über die höchste Bergkette führt nur eine einzige für Lastwagen befahrbare Passstraße, die Línea 5. In unendlichen Kurven und Windungen geht es bis auf 3.200 Meter hinauf und wieder hinunter. Steile Serpentinen, Wetterstürze und Nebelschwaden machen die Passüberquerung extrem gefährlich.

An diesem Nadelöhr leben die sogenannten Balineros, die “Kugellagerer”. Auf selbstgezimmerten Karren, die sie aus ein paar Brettern und den heiß begehrten Kugellagern zusammenbauen, rasen sie überall hin, wo sie gebraucht werden. So ist die Línea 5 für Loco Wohnort, Arbeitsplatz und Lebenssinn – trotz der täglichen Gefahr durch Verkehr und Guerilla.

Seit über 30 Jahren ist er mit seinen Kollegen hier jeden Tag bergab und bergauf unterwegs. Sie regeln den Lkw-Verkehr, besorgen Ersatzteile und bewachen havarierte Lastzüge. Feste Tarife verlangen sie für ihre Tätigkeiten nicht.

Kolumbien verstehen: Geschichte und Gegegnwart eines zerissenen Landes

Die meisten Fernfahrer sind alte Bekannte und wissen die Hilfe angemessen zu würdigen – wie Carlos, der auf seiner Tour zum Hafen von Buenaventura bei den Balineros Station macht. Die Balineros sind stolz, mit ehrlicher Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und Nachwuchssorgen kennen sie nicht. Auch für den 15-jährigen Felix ist es der größte Traum, irgendwann ein Balinero zu sein.

Noch verrichtet er die weniger ehrenvollen Aufgaben wie das Waschen der Schwertransporter. Ein Jahr lang hat er alle Einzelteile für seinen eigenen Kugellagerkarren zusammengetragen. Nun ist es so weit: Mit der ersten Fahrt in seinem neuen Karren wird er zur Mannschaft der rasenden Engel der Línea 5 gehören.

Bild: ARTE / © Medienkontor FFP

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4 Antworten

  1. Samara Tauchert sagt:

    Super Artikel. Ich habe durch diesen und andere Artikel viel über die Balineros gelesen und ich war so begeistert, dass ich darüber selbst einen Blog-Post geschrieben habe. Könnte ich das Foto auf meinen Artikel verwenden?

    • Redaktion sagt:

      Leider nein, die Copyrights für die Bilder liegen i.d.R. bei den Sendern. Ich darf sie nur im (engen) Zusammenhang mit dem Programmhinweis verwenden. Aber für diese Fälle gibt es ja Zuschauerredaktionen. Schreib dein Anliegen doch einfach an (in diesem Fall) Arte und bitte um ein Bild zur Sendung.

  2. Ja, die Perlen der Fernseh-Unterhaltung sind rar gesät. Darum gibt es ja hier diese Kategorie… Für Vorschläge bin ich übrigens immer dankbar.

  3. Irmgard Reichert sagt:

    Sehr beeindruckend. Warum zeigt man nicht mehr Filme dieser Art? Das ist etwas anderes als die Gewalt, die man sonst täglich im Fernsehen zu sehen bekommt.

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