Zehn Jahre nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Abkommens, das ursprünglich darauf abzielte, irreguläre Migration in die EU zu reduzieren und die Situation Geflüchteter in der Türkei zu verbessern, zieht Terre des Hommes Deutschland eine kritische Bilanz. In einem aktuellen Bulletin wird dargelegt, dass die Vereinbarung den Schutzanforderungen von Kindern auf der Flucht nicht gerecht werde. Trotz umfangreicher finanzieller Unterstützung durch die EU seien zentrale Schutzlücken weiterhin vorhanden, während Maßnahmen zur Migrationskontrolle und Abschiebung deutlich ausgeweitet worden seien. Die Organisation warnt davor, dieses Modell als Vorlage für weitere Abkommen mit Drittstaaten zu verwenden.
Die Türkei zählt zu den wichtigsten Aufnahmeländern für geflüchtete Kinder und ihre Familien. Gleichzeitig beschreibt Terre des Hommes die Lebensbedingungen vor Ort als äußerst belastend. Viele Kinder seien gezwungen zu arbeiten, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Zudem bestehe die Gefahr willkürlicher Inhaftierungen und Abschiebungen in Herkunftsländer, in denen Gewalt oder Folter drohen könnten – ein Vorgehen, das im Widerspruch zu internationalem Recht steht.
Ein weiteres zentrales Problem liege in der unsicheren Registrierungssituation vieler Geflüchteter. Diese werde teilweise entzogen oder nicht verlängert, was gravierende Folgen habe. Laut Terre des Hommes führe dies dazu, dass Kinder plötzlich keinen Zugang mehr zu Bildung oder medizinischer Versorgung hätten. Die Referentin für den Mittleren Osten, Nina Schwarz, erläutert, dass Kinder dadurch innerhalb kürzester Zeit von Schule und lebenswichtigen Medikamenten abgeschnitten sein könnten. Das Bulletin stützt sich auf zahlreiche Fallbeispiele aus der Praxis von Partnerorganisationen, die die konkreten Auswirkungen verdeutlichen. So habe etwa ein achtjähriger Junge mit einer Krebserkrankung erst nach einer gerichtlichen Eilentscheidung wieder Zugang zu dringend benötigter Behandlung erhalten.
Auch aus migrationspolitischer Sicht wird das Abkommen kritisch bewertet. Teresa Wilmes, Referentin für Flucht und Migration bei Terre des Hommes, kommt zu dem Schluss, dass die Vereinbarung notwendige Reformen im Sinne von Menschen- und Kinderrechten nicht erreicht habe. Stattdessen habe sie ein System gefestigt, das stark auf Abschreckung ausgerichtet sei und Kinder systematisch benachteilige.
Vor diesem Hintergrund fordert Terre des Hommes ein Umdenken auf politischer Ebene. Insbesondere die Bundesregierung solle als einflussreicher Akteur innerhalb der EU den Schutz von Kindern stärker priorisieren und finanzielle Mittel für Maßnahmen wie Inhaftierung und Abschiebung einstellen. Zudem wird betont, dass vergleichbare Abkommen künftig nicht nach dem Vorbild der EU-Türkei-Vereinbarung gestaltet werden dürften. Kinderrechte und menschenrechtliche Standards müssten vielmehr eine verbindliche Grundlage jeder Zusammenarbeit mit Drittstaaten bilden, da andernfalls absehbare Rechtsverletzungen in Kauf genommen würden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Terre des Hommes Deutschland e.V./Veröffentlicht am 17.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.