Aus für Asylberatung ab 2027? Kritik wächst

By Nima

Das Bundesministerium des Innern hat die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege darüber informiert, dass die Finanzierung der unabhängigen Beratung für Schutzsuchende im Asylverfahren ab dem Jahr 2027 eingestellt werden soll. Betroffen wäre auch die spezielle Rechtsberatung für besonders schutzbedürftige Personen. Damit stünde ein erst 2023 eingeführtes und gesetzlich verankertes Angebot vor dem Aus. Für Menschen im Asylverfahren würde eine wichtige Unterstützung wegfallen, was erhebliche Auswirkungen auf Betroffene, die Rechtsstaatlichkeit und die Funktionsfähigkeit des Asylsystems hätte.

Bedeutung unabhängiger Beratung für Asylverfahren

Die unabhängige Beratung soll sicherstellen, dass Schutzsuchende das Verfahren nachvollziehen können und ihre Schutzgründe möglichst früh vollständig darlegen. Dieses Prinzip ist auch im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem verankert. Durch frühzeitige und qualifizierte Unterstützung lassen sich Fehlentscheidungen reduzieren, Verfahren beschleunigen und die Akzeptanz behördlicher Entscheidungen erhöhen.

Zudem trägt die Beratung dazu bei, besonders schutzbedürftige Personen frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen beispielsweise traumatisierte Geflüchtete, Betroffene sexualisierter Gewalt oder queere Menschen. Ihre spezifischen Bedarfe können so im Verfahren und bei der Unterbringung berücksichtigt werden.

Vor dem Hintergrund geplanter Verschärfungen im Asylrecht ab Juni, darunter eingeschränkte Bewegungsfreiheit und verkürzte Fristen für Rechtsmittel, gewinnt eine unabhängige Beratung zusätzlich an Bedeutung. Fachleute sehen sie als wesentlichen Bestandteil für rechtsstaatliche und effiziente Verfahren.

Kritik an der Entscheidungsgrundlage

Das Ministerium teilte weiter mit, dass ab 2027 keine Mittel aus dem Bundeshaushalt mehr bereitgestellt werden sollen. Als Begründung wurde auf eine Evaluation der Forschungsstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge verwiesen. Diese Ergebnisse wurden bislang jedoch weder veröffentlicht noch den Trägerorganisationen zugänglich gemacht.

Kritiker sehen darin ein erhebliches Problem: Eine bundesweit aufgebaute Infrastruktur könnte wegfallen, ohne dass die zugrunde liegende Entscheidung transparent und faktenbasiert diskutiert wurde.

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Demgegenüber liegt dem Innenministerium eine Wirkungsanalyse der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) vor, die positive Effekte der Beratung belegt. Die Organisation fordert daher, die Evaluation offenzulegen, keine unumkehrbaren Entscheidungen zu treffen und eine verlässliche Finanzierung im Bundeshaushalt 2027 sicherzustellen.

Der Präsident der BAGFW, Achim Meyer auf der Heyde, erklärte sinngemäß, dass die vorgelegten Praxiserfahrungen deutlich zeigten, dass das Programm wirksam sei. Es stärke sowohl die Rechtsstaatlichkeit als auch die Effizienz von Asylverfahren. Eine Streichung dieses Angebots werde daher nicht akzeptiert.

Hintergrund: Wirkung der unabhängigen Asylberatung

Schneller Ausbau und große Reichweite

Seit Einführung des Bundesprogramms im Jahr 2023 wurde die Beratung innerhalb kurzer Zeit bundesweit etabliert. Bereits 2024 konnte mehr als ein Viertel aller Asylsuchenden erreicht werden. An rund 225 Standorten erhalten Schutzsuchende qualifizierte Unterstützung, darunter auch besonders vulnerable Gruppen.

Effizientere Verfahren und weniger aussichtslose Anträge

Individuelle Beratung hilft dabei, Rechte und Pflichten besser zu verstehen und Schutzgründe strukturiert darzustellen. Dies verbessert die Qualität der Entscheidungen, verkürzt Verfahren und reduziert die Zahl wenig erfolgversprechender Anträge und Klagen. Davon profitieren sowohl die Betroffenen als auch Behörden und Gerichte.

Frühzeitige Erkennung besonderer Schutzbedarfe

Im Rahmen der Beratung werden besondere Schutzbedarfe systematisch erfasst und an zuständige Stellen weitergeleitet. Dies betrifft unter anderem unbegleitete Minderjährige, Gewaltopfer oder traumatisierte Personen. Damit leistet die Beratung einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung menschen- und europarechtlicher Vorgaben.

Bessere Perspektiven und Integration

Eine frühzeitige Klärung der Bleibeperspektive ermöglicht schnelleren Zugang zu Sprachkursen, Bildung und Arbeitsmarkt. Gleichzeitig erhalten Kommunen mehr Planungssicherheit und können Integrationsangebote gezielter gestalten.

Forderung nach Ausbau statt Kürzung

Angesichts der nachgewiesenen positiven Effekte plädieren Fachverbände für einen weiteren Ausbau und eine langfristige Absicherung der Beratung. Erforderlich sei eine ausreichende Finanzierung, die über das derzeitige Niveau hinausgeht, um das Angebot flächendeckend zu etablieren. Eine Einstellung der Förderung würde hingegen das bestehende System erheblich schwächen.

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Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von BAGFW e.V./Veröffentlicht am 16.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.