Mit LebensLinien 60+ gibt es ein bundesweites Online-Beratungsangebot für Menschen ab 60 Jahren, die sich in belastenden Lebensphasen befinden. Die Beratung ist kostenfrei, anonym und erfolgt schriftlich über ein geschütztes Mailberatungssystem.
Getragen wird das Angebot vom Arbeitskreis Leben e. V. Reutlingen/Tübingen. Es verbindet fachliche Erfahrung in der Krisenberatung mit einem Peer-Ansatz: Geschulte ehrenamtliche Beraterinnen und Berater in ähnlichem Lebensalter begleiten Ratsuchende schriftlich, fachlich unterstützt und regelmäßig supervidiert.
Schreiben kann den ersten Schritt erleichtern
LebensLinien 60+ richtet sich ausdrücklich an ältere Menschen, denen ein persönliches Gespräch, ein Telefonat oder der Weg in eine Beratungsstelle zunächst schwerfällt.
Das schriftliche Format kann helfen, Gedanken zu ordnen und Worte im eigenen Tempo zu finden. Nach der Registrierung mit einem selbst gewählten Benutzernamen und Passwort kann auf Wunsch eine verlässliche Begleitung durch eine feste Beraterin oder einen festen Berater entstehen.
Beratung durch geschulte Ehrenamtliche
Das Peer-Konzept ist ein zentraler Bestandteil des Angebots. Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater sind selbst in einem ähnlichen Lebensalter wie die Ratsuchenden.
Eine 50-stündige Weiterbildung bereitet sie auf die schriftliche Begleitung im digitalen Raum vor. Fachliche Begleitung und regelmäßige Supervision sollen die Qualität der Beratung sichern. So verbindet das Projekt Lebenserfahrung mit professionellen Standards.
Warum ältere Menschen eigene Zugänge brauchen
Mit dem Übergang in die Zeit nach dem Erwerbsleben verändern sich für viele Menschen Alltag, soziale Kontakte und Selbstverständnis. Auch Gesundheit, Mobilität, Wohnsituation, Partnerschaft oder familiäre Beziehungen können neue Fragen und Belastungen mit sich bringen.
LebensLinien 60+ will in solchen Situationen einen geschützten Raum bieten. Das Angebot versteht sich als ergänzende Begleitung und kann bei Bedarf auch den Weg zu weiteren Hilfen erleichtern.
Suizidrisiko im Alter besonders hoch
Die Bedeutung spezialisierter Angebote zeigt sich auch in den Zahlen. In Deutschland sterben jährlich mehr als 10.000 Menschen durch Suizid. Für das Jahr 2024 weist das Statistische Bundesamt 10.372 Suizide aus.
Besonders auffällig ist der hohe Anteil älterer Menschen. 5.953 Menschen über 60 Jahre starben 2024 durch Suizid. Das entspricht 57,4 Prozent aller Suizide, obwohl diese Altersgruppe nur rund 29 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Besonders ältere Männer gehören zu den gefährdeten Gruppen.
Erste Beratungszahlen zeigen Bedarf
Auch die ersten Erfahrungen von LebensLinien 60+ weisen auf eine bestehende Versorgungslücke hin. Seit dem Projektstart im Mai 2025 wurden 96 Klientinnen und Klienten beraten.
Häufige Themen waren Einsamkeit, Suizidalität und Depressionen, Probleme mit Verwandten, Überforderung sowie körperliche Erkrankungen. Zugleich zeigen Statistiken des Arbeitskreises Leben, dass Menschen über 60 bestehende Krisenberatungsangebote in Reutlingen und Tübingen bislang eher selten nutzen.
Genau hier setzt LebensLinien 60+ an. Das Angebot soll ältere Menschen früher erreichen, bevor Belastungen unbesprochen bleiben oder sich zuspitzen.
Beratung kann Brücken bauen
Projektverantwortlicher Lukas Ulmer vom Arbeitskreis Leben e. V. Reutlingen/Tübingen weist darauf hin, dass ältere Menschen unterschiedliche Zugänge zu Hilfe benötigten. Für manche könne Schreiben ein wichtiger erster Schritt sein, weil es Zeit lasse, Gedanken zu ordnen und sich in einem geschützten Rahmen anzuvertrauen.
Leonie Rosenbauer vom Arbeitskreis Leben e. V. ordnet LebensLinien 60+ in die suizidpräventive Arbeit des Vereins ein. Die Zielgruppe 60+ sei insbesondere bei Männern besonders gefährdet. Deshalb brauche es verschiedene Hilfsformen. Online-Beratung könne in bestimmten Situationen die passende Unterstützung sein und bei Bedarf auch den Weg in eine persönliche Beratung öffnen.
Themen reichen von Trauer bis Überforderung
Die Anliegen der Ratsuchenden sind vielfältig. Wiederkehrende Themen sind Trauer nach dem Verlust eines Partners oder einer Partnerin, Einsamkeit, gesundheitliche Einschränkungen, Scham, Überforderung in der Pflege von Angehörigen oder fehlende Unterstützung im ländlichen Raum.
Oft beginnt der Kontakt mit einer vorsichtigen ersten Nachricht. Im Mittelpunkt steht nicht immer eine schnelle Lösung, sondern ein geschützter Raum, in dem Belastendes ausgesprochen und nächste Schritte wieder vorstellbar werden können.
Teil eines vernetzten Hilfesystems
LebensLinien 60+ versteht sich als ergänzendes Angebot innerhalb einer vernetzten Suizidprävention und psychosozialen Versorgung. Das Projekt ist unter anderem über die Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitskreise Leben in Baden-Württemberg, den Paritätischen Wohlfahrtsverband und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention fachlich eingebunden.
Wichtig ist aus Sicht des Projekts auch die Weitergabe von Informationen. Kommunen, Seniorenarbeit, Gesundheitswesen, Wohlfahrtsverbände, Angehörigenarbeit, Kirchengemeinden, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflege- und Beratungsstrukturen können dazu beitragen, ältere Menschen frühzeitig auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Angebot auch für besorgte Angehörige
LebensLinien 60+ richtet sich an Menschen ab 60 Jahren, die Veränderungen, Verluste, gesundheitliche Einschränkungen oder Phasen der Neuorientierung erleben. Auch wer sich allein fühlt, belastet ist oder nicht weiß, mit wem er sprechen soll, kann sich an die Beratung wenden.
Ebenso können sich Menschen informieren, die sich um eine ältere Person in ihrem Umfeld sorgen. Weitere Informationen zum Beratungsangebot und zum Zugang stellt LebensLinien 60+ online bereit. Informationen zum Träger und zu weiteren Krisenberatungsangeboten gibt es beim Arbeitskreis Leben.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Arbeitskreis Leben e.V. Reutlingen / Tübingen/Veröffentlicht am 18.08.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.