Während im zentralen Mittelmeer weiterhin zahlreiche Menschen vermisst werden, haben italienische Behörden am 13. Februar 2026 das Rettungsschiff Humanity 1 im Hafen von Trapani für 60 Tage festgesetzt und eine Geldstrafe von 10.000 Euro verhängt. Das teilte die Organisation SOS Humanity mit.
Den Vorwurf begründen die Behörden damit, dass die Crew bei der Rettung von 33 Menschen keine Abstimmung mit der libyschen Seenotleitstelle vorgenommen habe. Die Maßnahme erfolgte kurz nach der Vorstellung eines Gesetzentwurfs durch die italienische Regierung, der eine sogenannte Seeblockade gegen zivile Rettungsschiffe ermöglichen soll.
Die Einsatzleitung an Bord erklärte, man habe entsprechend internationaler seerechtlicher Vorgaben sämtliche zuständigen Rettungsleitstellen informiert. Eine Kontaktaufnahme mit libyschen Stellen sei bewusst unterblieben, da diese aus Sicht der Organisation nicht als legitime Akteure im Such- und Rettungsdienst anzusehen seien und ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber Schutzsuchenden vorgeworfen würden.
Nach Angaben von SOS Humanity ist es bereits die dritte Festsetzung eines Schiffes aus dem Bündnis Justice Fleet innerhalb von drei Monaten. Das Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen kritisiert die europäische Unterstützung für libysche Einheiten auf See, denen Gewalt gegen Schutzsuchende und Rettungscrews zur Last gelegt wird. Im August 2025 habe ein Patrouillenboot der sogenannten libyschen Küstenwache ein ziviles Rettungsschiff beschossen.
Eine politische Expertin der Organisation äußerte, es werde in gefährlicher Weise die Verantwortlichkeit verdreht: Während zivile Crews Menschen retteten und dafür sanktioniert würden, erhielten libysche Einheiten Unterstützung, obwohl ihnen Misshandlungen und tödliche Gewalt gegen Flüchtende vorgeworfen würden. Die Organisation fordere daher die umgehende Freigabe der Humanity 1.
Bereits im Januar war das Rettungsschiff Sea-Watch 5 aus ähnlichen Gründen festgesetzt worden. Damit seien zwei der größten zivilen Rettungsschiffe im Mittelmeer vorerst an weiteren Einsätzen gehindert, so die Darstellung der Organisation.
Parallel dazu treibt die Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Einschränkung humanitärer Such- und Rettungsmissionen weiter voran. Der vorgelegte Gesetzentwurf sieht vor, NGO-Schiffe bis zu sechs Monate am Einlaufen in italienische Hoheitsgewässer zu hindern, sofern Behörden ein Sicherheitsrisiko annehmen.
Die erneute Festsetzung sei nach Einschätzung der Organisation Teil einer zunehmenden Eskalation gegen dringend notwendige Rettungseinsätze im Mittelmeer. Der geplante rechtliche Rahmen für eine Seeblockade stelle einen drastischen Schritt gegen zivile Such- und Rettungsarbeit dar, verschärfe die humanitäre Lage auf See und stehe im Widerspruch zu völkerrechtlichen Verpflichtungen.
Daten der International Organization for Migration zeigen, dass im Jahr 2026 bereits 484 Migrantinnen und Migranten nach mehreren Schiffsunglücken im zentralen Mittelmeer als tot oder vermisst registriert wurden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von SOS Humanity e.V./Veröffentlicht am 14.02.2026