Die SOS-Kinderdörfer haben nach eigenen Angaben weitere lange vermisste Kinder in Syrien ausfindig gemacht. Dies wurde heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Damaskus bekannt gegeben.
Hintergrund sind Vorgänge aus der Zeit des syrischen Bürgerkriegs. Damals wurden Kinder von Angehörigen oppositioneller Gruppen gewaltsam von ihren Familien getrennt und unter anderem in Einrichtungen der SOS-Kinderdörfer untergebracht. Der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit e.V. mit Sitz in München erhielt im Jahr 2023 Kenntnis von diesen Fällen und forderte vom syrischen Länderverein eine lückenlose Aufarbeitung. Die Organisation stellte klar, dass dieses Vorgehen zu keinem Zeitpunkt mit ihren Grundsätzen und internen Richtlinien vereinbar war.
Insgesamt waren 140 Kinder auf Anordnung des Assad-Regimes in Einrichtungen von SOS-Kinderdorf Syrien gebracht worden. Nach dem Verlassen der Einrichtungen konnten 35 Kinder wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden. Die übrigen Kinder wurden damals an die zuständigen Behörden übergeben, ihr weiterer Verbleib blieb zunächst ungeklärt.
Noch vor dem Sturz des Assad-Regimes beauftragte der deutsche Förderverein ein unabhängiges Rechercheteam mit der Untersuchung der Vorgänge und der Suche nach den vermissten Kindern. Die Nachforschungen gestalteten sich von Anfang an schwierig, unter anderem, weil die Identitäten einzelner Kinder bewusst verschleiert worden waren. Ab 2024 beteiligten sich auch die Ländervereine in Syrien und Jordanien aktiv an der Suche. Diese erfolgte in Zusammenarbeit mit dem zuständigen syrischen Ministerium.
Inzwischen konnte der Aufenthaltsort von 106 der ursprünglich 140 betroffenen Kinder geklärt werden. Nach Angaben der Organisation leben diese wieder bei ihren Familien, zu denen weiterhin Kontakt besteht.
Die Pressesprecherin von SOS-Kinderdorf Syrien, Rasha Badawi, erklärte, man sei erleichtert darüber, gemeinsam einen großen Teil der Kinder wiedergefunden zu haben. Den betroffenen Kindern sei schweres Unrecht widerfahren, das nicht rückgängig gemacht werden könne. Umso wichtiger sei die Gewissheit, dass sie nun wieder bei ihren Familien seien. Zugleich betonte sie, dass die Suche mit Nachdruck fortgesetzt werde und man zuversichtlich sei, auch die verbleibenden Fälle aufzuklären.
Zur Unterstützung der betroffenen Kinder und Familien hat der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit einen Sonderfonds eingerichtet. Vorgesehen sind unter anderem Hilfen im Bildungsbereich sowie psychologische Begleitung. In Gesprächen mit den Familien werde ermittelt, welche Unterstützung im Einzelfall notwendig sei. Die Familien sollen langfristig begleitet werden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von SOS-Kinderdörfer weltweit e.V./Veröffentlicht am 06.01.2026