Zum Black Friday macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf die weltweiten Auswirkungen des klimaschädlichen Fast-Fashion-Geschäfts aufmerksam. Unter dem Leitmotiv Reclaim Responsibility eröffnet die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation einen Aktionsshop, in dem gesammelte und überarbeitete Textilien aus Ghana erneut genutzt werden können. Dadurch soll verdeutlicht werden, wie absurd die massive Überproduktion der heutigen Textilindustrie ist: Trotz der Tatsache, dass zahlreiche Kleidungsstücke ungetragen oder kaum genutzt sind, steigt die Menge der hergestellten Ware weiter an. Für die Hersteller bleibt dieses Modell profitabel, da sie weder für zerstörte Ressourcen noch für Umweltbelastungen oder die Entsorgung ihrer Produkte zur Rechenschaft gezogen werden.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, betonte, dass Fast Fashion Mode zu kurzlebigen Wegwerfartikeln aus synthetischen Fasern gemacht habe. Rund 70 Prozent der Kleidung bestünden inzwischen aus solchen Materialien, von denen weniger als ein Prozent wieder zu neuer Bekleidung werde. Sie wies darauf hin, dass Umweltminister Schneider nun die Möglichkeit habe, die weitgehend unkontrollierte Massenproduktion, die auf Kosten von Arbeitsbedingungen und Umwelt gehe, wirksam einzuschränken. Künftig dürfe es sich für Modemarken nicht länger lohnen, ständig neue Trends in minderwertiger Qualität auf den Markt zu bringen, die weder recyclingfähig noch langlebig seien. Im Zuge der Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung müsse daher festgelegt werden, dass die Verantwortung der Hersteller über den Verkauf hinaus bis zum Ende der Lebensdauer eines Produkts reiche. Mindestens ein Viertel der entsprechenden Gebühren solle in einen Fonds fließen, der zirkuläre Geschäftsmodelle und die dafür nötige Infrastruktur fördere.
Ghana zählt zu den wichtigsten Zielländern für deutschen Textilmüll. Jede Woche treffen dort etwa 15 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke aus aller Welt ein – zunehmend auch ungetragene Neuware, die besonders durch Konsumphasen wie den Black Friday entsteht. In Deutschland werden infolge solcher Rabattaktionen rund 80 Prozent der spontan bestellten Textilien ungetragen zurückgeschickt. Diese enorme Menge an Retouren, Überproduktion und minderwertigen Altkleidern lässt sich in Ghana nur begrenzt weiterverkaufen; rund 40 Prozent der importierten Ware gilt bereits beim Eintreffen als Abfall. Da Textilmüll aus unterschiedlichsten Materialmischungen besteht, kann er weder in Deutschland noch in Ghana sortenrein getrennt oder recycelt werden. Er landet daher meist auf offenen Deponien oder wird verbrannt.
In Zusammenarbeit mit dem lokalen Partner The Revival hat die DUH Textilien von informellen Müllplätzen in Accra gesammelt, gereinigt, repariert und teilweise zu neuen Produkten umgestaltet. Diese geretteten Kleidungsstücke können im DUH-Aktionsshop kostenlos bestellt werden; lediglich die Versandkosten für wiederverwendbare Boxen aus Berlin fallen an.
Viola Wohlgemuth, Senior-Expertin für Textilien und Kreislaufwirtschaft, verwies darauf, dass die ökologischen und sozialen Folgen von Fast Fashion in Ghana gravierend seien. Ehemalige Sandstrände seien mittlerweile von Textilmüll überlagert. Dort werde sichtbar, wie eine linear organisierte Textilindustrie global versage – und Deutschland trage als einer der größten Textilmärkte und Exporteure gebrauchter Kleidung eine besondere Verantwortung. Im Durchschnitt verbrauche die Bevölkerung in Deutschland jährlich etwa 1,56 Millionen Tonnen Textilien, rund 19 Kilogramm pro Kopf. Es sei daher dringend notwendig, dass Ausleihen, Reparatur und Second-Hand-Nutzung zu selbstverständlichen Alternativen würden.
Hintergrund:
Die EU-Richtlinie zur Erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien (EPR) verpflichtet Deutschland dazu, bis spätestens Sommer 2027 ein nationales System zu entwickeln. Länder wie Frankreich und die Niederlande zeigen bereits, wie eine solche Regelung umgesetzt werden kann: Dort müssen Hersteller Textilien für eine zweite Nutzung aufbereiten, Reparaturen ermöglichen und Recyclingmaßnahmen unterstützen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsche Umwelthilfe e.V./Veröffentlicht am 24.11.2025