Chinas wilder Fluss

Donnerstag, 09. August 2012

21.45 – 22.15 Phönix
An den Ufern des Mekong. Ein Film von Ariane Reimers

Patrouillenfahrt auf dem Mekong im Süden von Yunnan, Xishuangbanna. Bild: NDR/Dirk Vahldiek

Der Mekong ist die Lebensader Asiens. Der große Fluss entspringt den Bergen Tibets und strömt durch sieben Länder, bevor er das südchinesische Meer erreicht. Was kaum jemand weiß: Fast die Hälfte seines Flusslebens verbringt er auf chinesischem Gebiet. Von den Quellen in den tibetischen Bergen bis zur subtropischen Provinz Yunnan heißt er Lancang Jiang – wilder Fluss. ARD-Korrespondentin Ariane Reimers reist trotz vieler Schwierigkeiten an seinen Ufern entlang.

Ganz im Norden von Yunnan ist der Lancang Jiang ein reißender Fluss, der sich durch tiefe, karg bewachsene Täler windet. Steile Hänge fallen fast 1.000 m in die Tiefe. Weit über dem Lancang Jiang erheben sich schneebedeckte Gipfel. Der mit 6740 Metern höchste Berg – der Kawagebo – ist heilig und Ziel vieler Pilger. Es ist eine weitgehend tibetisch besiedelte Region, bunte Gebetsfahnen flattern über dem Fluss, in kleinen buddhistischen Tempeln beten die Dorfbewohner.

Das Leben ist hart und entbehrungsreich. Die Bauern leben von Mais, Weizen und Kartoffeln. Aber seitdem französische Missionare im 19. Jahrhundert hier in der Region entlang des tibetischen Lancang Jiangs wirkten, wächst auch Wein am Fluss. Die ältesten Reben stehen in Cizhong, einem kleinen tibetisch-christlichen Dorf, in dem die Kirche die Wirren der Geschichte nahezu unbeschadet überstanden hat. Seit drei Jahren gibt es wieder einen katholischen Priester und jeden Sonntag wird eine Messe gelesen.

Entlang des Flusses – ihn immer wieder kreuzend – zog sich noch bis in die 60er Jahre ein alter Handelspfad, auf dem meist zu Pferd wichtige Güter transportiert wurden. Heute kennt man diesen Weg als „Chamagudao“ – den alten Teehandelspferdeweg. Die Älteren in Yunnan erinnern sich noch an die Zeit, als tatsächlich Tee durch Berge und Täler transportiert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges waren es auch Waffen für den Kampf gegen die japanische Besatzungsmacht.

Im Bezirk Lincang – einige Hundert Kilometer südlich – ist die Landschaft lieblicher. Tee, Tabak und Heilkräuter wachsen an den Hängen. Lushi war einst ein Handelsplatz des „Chamagudao“ – noch immer transportieren Esel die Waren durch die gepflasterten Gassen. In diesem Städtchen ist die Zeit stehen geblieben.

Wild und reißend ist der Lancang Jiang hier allerdings nicht mehr – Staudämme haben ihn gezähmt und große Seen entstehen lassen. Der alte Teehandelsweg und seine Brücken wurden genauso geflutet wie die Dörfer. Tief im Süden wandelt sich die Landschaft abermals: subtropischer Regenwald säumt das Flussufer, im Dickicht leben die letzten wilden Elefanten Chinas, viele Affen und wohl noch der eine oder andere Tiger. Ein Refugium der Natur, die Heimat der Dai-Minderheit. Ein Hauch Südostasien weht durch diese Region, das berühmte Wasserfest wird hier genauso gefeiert wie in Thailand oder Burma. Nur hier ist Chinas wilder Fluss schiffbar. Trotzdem ist es für kleinere Boote immer noch ein Wagnis, durch die Stromschnellen zu steuern. Binnenschiffer bringen Waren aus Burma, Laos und Thailand nach China. Denn nur wenige Kilometer flussabwärts erreicht der Lancang Jiang das „goldene Dreieck“. Hier verliert er seinen chinesischen Namen – von nun an ist er der Mekong, die „Mutter aller Wasser“.

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