Die Bogenschützin von Bhutan

Montag, 27. Juni 2011

18.05 – 19.00 Arte
360° – Geo Reportage,
Deutschland/Frankreich 2004, Regie: Holger Riedel

Tshering Chhoden, 25, ist wahrscheinlich Bhutans beste Bogenschützin. Bild: ARTE / © Medienkontor FFP

Bogenschießen ist im Königreich Bhutan eine traditionelle Männerdomäne. Umso erstaunlicher ist, dass es ausgerechnet eine junge Frau bis an die Weltspitze schaffen kann. „360° – Geo Reportage“ zeigt die damals 25-jährige Tshering Chhoden bei ihrem Kampf um die Teilnahme an der Olympiade.

Fast jeder männliche Bewohner Bhutans praktiziert die Kunst mit Pfeil und Bogen zu schießen – ein Relikt aus der kriegerischen Vergangenheit des buddhistischen Bergvolkes. Bei einem traditionellen Wettkampf treten jeweils zwei Dörfer gegeneinander an. Frauen dürfen die männlichen Kontrahenten dabei lediglich anfeuern. Doch in dem kleinen Dorf Radhi gibt es eine Ausnahme. Hier trainiert die 25-jährige Tshering Chhoden für Olympia. Als Frau darf sie an dem traditionellen Kräftemessen nicht teilnehmen, obwohl sie sich darauf vorbereitet, ihr Land vor der ganzen Welt zu repräsentieren. Tshering Chhoden gilt als Virtuosin mit Pfeil und Bogen.

Das abgeschottete Bhutan hat sich erst in den letzten Jahren der Außenwelt geöffnet. Noch 1960 war ein fünftägiger Fußmarsch nötig, um in das Land zu gelangen. Damals begann König Wangchuk mit seiner vorsichtigen Modernisierungspolitik. Bis heute bestimmen er und seine Minister, wie viel Einfluss von außen sein Volk verkraftet, ob es reif ist für Elektrizität, Fernsehen oder Tourismus. Industrialisierung wird nur geduldet, wenn sie nicht gegen die hohen Umweltstandards verstößt. Westliche Entwicklungspolitiker betrachten den Himalayastaat als Musterland, doch das Volk steht nur zum Teil hinter dem Monarchen.

Viele der überdurchschnittlich gut ausgebildeten jungen Menschen, von denen manche im Ausland studiert haben, fühlen sich bevormundet. Tshering Chhodens Alltag während der Olympiavorbereitungen ist typisch für das Zusammentreffen von Tradition und Moderne in Bhutan. Sie glaubt fest an Dämonen und Hexen und daran, dass ihre Tempelbesuche das Sportlerglück beeinflussen werden. Gleichzeitig trainiert sie mit einem professionellen Coach und moderner Hightechausrüstung.

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