Die Kriegstreiber von nebenan

Mittwoch, 04. Mai 2011

23.30 – 00.15 ARD
Deutschland und der Terror im Kongo
Ein Film von Susanne Babila

Goldfelder im Nordosten des Kongo. Bewaffnete Gruppen, wie die FDLR, verlangen Schutzgeld und Wegeszoll von den Goldgräbern. Meist sind es Bewohner der nahegelegenen Dörfer, die von bewaffneten Gruppen drangsaliert und unterjocht werden. Wer nicht gehorcht, wird getötet. Bild: SWR/Wolfgang Eilmes, FAZ

Leise Stimme, eloquentes deutsch, fanatischer Blick. Der Ruander Ignace M. war bis zu seiner Verhaftung in Deutschland Präsident und politischer Führer der Hutu-Miliz FDLR, der sogenannten demokratischen Befreiungsfront Ruandas. Eine der mörderischsten Rebellengruppen, die im Nordosten des Kongo marodiert.

Der Ruander lebte unbehelligt in Mannheim und soll den Krieg im Kongo per Laptop und Handy gesteuert haben. Das behauptet die Anklage: Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen. Auch sein Stellvertreter, Straton M., lebte viele Jahre als netter Nachbar im schwäbischen Neuffen. Doch hinter der biederen Fassade verbergen sich Rädelsführer eines Besatzungsregimes, die mit Plünderung, sexualisierten Gewalttaten und Hinrichtungen ihre Macht im Ostkongo zu sichern versuchten.

Der Film lässt die Opfer zu Wort kommen, Kindersoldaten, junge Mädchen, die vergewaltigt wurden, und entwaffnete Söldner des Terrorregimes, die den Angeklagten Ignace M., ihren ehemaligen Führer, im Kongo getroffen haben.

Warum haben deutsche Behörden nicht früher auf Hinweise reagiert, die die brutalen Machenschaften der beiden mutmaßlichen Kriegsverbrecher aufdeckten? Und dieser Film zeigt, womit sich die Rebellen finanziert haben: mit Gold, Zinn und Coltan, das auch über deutsche Firmen auf den Weltmarkt kommt. Ohne die begehrten Rohstoffe klingelt kein Handy, fiepst keine Spielkonsole und flimmert kein Flachbildschirm. Mit dem Erlös finanzierte die Terrororganisation ihren Krieg gegen die Zivilbevölkerung im Kongo.

Massaker, Vergewaltigungen, Plünderungen, kurz Kriegsverbrechen in Afrika sind weit weg – aber die Welt der Elektronik verbindet die Deutschen mit dem, was dort geschieht. Und obendrein lebten die Kriegsverbrecher sozusagen Tür an Tür, als harmlose Nachbarn.
Der Prozess soll im Frühsommer im Oberlandesgericht Stuttgart stattfinden. Ein Präzedenzfall für die deutsche Justiz, denn zum ersten Mal wird nach dem neuen Völkerstrafrecht verhandelt.

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