Die Minenratten von Tansania

Montag, 19. Oktober 2015 | 12.25 – 13.20 Arte

360° Geo Reportage. Ein Film von Laurent Cistac.

Tansania. Ein Mann geht langsam über ein Feld und redet auf ein graues Tier zu seinen Füßen ein. Was da mit Brustgurt und Leine vor ihm läuft, ist kein gewöhnliches Haustier, sondern eine 80 Zentimeter lange und 1,5 Kilogramm schwere Ratte.

Die Gambia-Riesenhamsterratte pflanzt sich in Gefangenschaft nur schwer fort. Im Forschungszentrum Apopo wird der Nachwuchs von den Pflegern mit viel Sorgfalt und Zuneigung großgezogen und ausgebildet. Ronaldinho steht eine Karriere als Minenratte bevor. Bild: ARTE / © MedienKontor FFP

Die Gambia-Riesenhamsterratte pflanzt sich in Gefangenschaft nur schwer fort. Im Forschungszentrum Apopo wird der Nachwuchs von den Pflegern mit viel Sorgfalt und Zuneigung großgezogen und ausgebildet. Ronaldinho steht eine Karriere als Minenratte bevor. Bild: ARTE / © MedienKontor FFP

 

Wie überall auf der Welt haben auch die Menschen in Afrika eine Abscheu vor Ratten. Der Wissenschaftler Bart Weetjens sorgt gerade dafür, dass sich das ändert. Er hat entdeckt, dass die 80 Zentimeter langen und 1,5 Kilo schweren Riesenhamsterratten mit ihrem außergewöhnlichen Geruchssinn in der Lage sind, den Sprengstoff TNT zu erschnüffeln. Das bedeutet eine Hoffnung für den afrikanischen Kontinent, liegen dort doch noch Millionen Antipersonenminen im Boden. Die heimtückischen Waffen fordern jährlich bis zu 20.000 Opfer. „360° – Geo Reportage“ begleitet eine Ratte von ihrer Geburt über das monatelange Training bis zu ihrem ersten rettenden Einsatz auf einem Minenfeld in Mosambik.

Im Forschungszentrum der nichtstaatlichen Organisation APOPO in Tansania, die sich mit Produkten der Landminenräumung beschäftigt, herrscht helle Aufregung, denn wieder hat eine Rattenmutter Junge geworfen. Das bedeutet einen Riesenerfolg bei in Gefangenschaft lebenden Tieren. Bart Weetjens, Initiator eines Projekts, das Riesenhamsterratten ausbildet, um Antipersonenminen zu erschnüffeln, gibt einem der Welpen den Namen Ronaldinho, nach dem auch in Afrika verehrten Fußballidol. In nur wenigen Wochen lernt das intelligente Tier, unter verschiedenen Proben aus Kaffee, Tee und anderen Stoffen das gefährliche TNT herauszuschnüffeln. Dies ist der Stoff, aus dem die schätzungsweise 110 Millionen Antipersonenminen hergestellt sind, die weltweit noch sprengbereit im Boden lauern.

Das Training mit Ronaldinho basiert auf der Reiz-Reaktions-Methode. Hat der Nager die richtige Probe entdeckt, bedient sein Trainer ein kleines akustisches Signal. Sofort danach bekommt der kleine Lehrling eine Belohnung in Form von Bananenbrei – eine Delikatesse für Ratten. Monate später besteht Ronaldinho seine Prüfung und darf als echte Minenratte zu seinem ersten Einsatz nach Mosambik fliegen. Er trägt dazu bei, von Minen verseuchte Gebiete wieder für Menschen zugänglich zu machen.

Die etwa 80 Zentimeter langen und bis zu 1,5 Kilogramm schweren Riesenhamsterratten sind die neuen Helden Afrikas. Und Bart Weetjens hat noch große Pläne mit den intelligenten Nagern. Doch zuerst muss Ronaldinho beweisen, dass sich seine Ausbildung gelohnt hat und er die Minen auch auf dem freien Feld erschnüffeln kann.

Bild: ARTE / © MedienKontor FFP

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