Kongo Müller

Mittwoch, 02. November 2011

21.05 – 22.00 Arte
Eine deutsch-deutsche Geschichte. Dokumentation, Deutschland 2010, Regie: Siegfried Ressel.

Walter Heynowski, DDR-Dokumentarfilmer. Bild: ZDF / © Sebastian Hattop/a+r film

Als der Kongo 1960 unabhängig wird, folgen bewaffnete Auseinandersetzung rivalisierender Gruppen. Auch weiße kriegserfahrene Söldner sind in die Konflikte involviert. Zu ihnen zählen Deutsche, die unter der Leitung des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Siegfried Müller brutal gegen die schwarze Bevölkerung vorgehen. Nachdem der „Stern“-Reporter Gerd Heidemann die Machenschaften aufgedeckt hatte, dreht der DDR-Filmemacher Walter Heynowski einen politisch motivierten Dokumentarfilm über Siegfried „Kongo Müller“.

Mitte der 60er Jahre im Kongo: Nach der Ermordung von Patrice Lumumba, des ersten Ministerpräsidenten des seit 1960 unabhängigen Landes, kämpfen verschiedene Interessengruppen, Stämme und regionale Machthaber in einem unübersichtlichen und blutigen Bürgerkrieg gegeneinander. Die Weltmächte USA und Sowjetunion versuchen, ihre Einflüsse geltend zu machen, und unterstützen jeweils rivalisierende Kampf- und Rebellengruppen. Moïse Tschombé versucht 1965 das Land militärisch zu „befrieden“ und bedient sich dazu kriegserfahrener weißer Söldner. Mit dabei sind auch Deutsche, die das Kommando 52 unter dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier Siegfried Müller bilden und im Norden des Kongo gegen angebliche Rebellen eingesetzt werden.

Der „Stern“-Reporter Gerd Heidemann wird Mitte 1965 von seiner Redaktion in den Kongo geschickt, um über die deutschen Söldner zu berichten. Heidemann erlebt den Horror, den der marodierende Söldnerhaufen unter der schwarzen Bevölkerung anrichtet. In langen, auf Tonband festgehaltenen Gesprächen entlockt der Reporter „Kongo Müller“ und seinen Untergebenen ihre brutalen Selbstverständnisse. Für den „Stern“ entsteht eine dreiteilige Abenteuer- und Kriegsreportage, die mit dem World Press Award prämiert wird.

Der DDR-Dokumentarfilmer Walter Heynowski liest diese Reportage und beschließt, den Stoff weiterzuentwickeln. Als staatsnaher, politisch motivierter Journalist sieht er die Chance, der Bundesrepublik neokoloniale Strategien nachzuweisen. Höhepunkt seiner Filmreihe zu diesem Thema wird der Dokumentarfilm „Der lachende Mann“ (1966), den Walter Heynowski zusammen mit Gerhard Scheumann und Kameramann Peter Hellmich realisiert. „Der lachende Mann“ ist Siegfried „Kongo Müller“, den die DDR-Filmemacher in München vor die Kamera locken und der in Tarnuniform, Springerstiefeln und Kette rauchend mit Grinsen im Gesicht seine entmenschte Weltsicht zum Besten gibt.

„Bekenntnisse eines Mörders“ ist der Untertitel des damals stilistisch Neuland betretenden Films, der einerseits als Meilenstein der DDR-Filmgeschichte gilt und andererseits auf Grund von Entstehung und Machart zu den umstrittensten deutschen Dokumentarfilmen überhaupt zählt.

Zusatzinfo: Filmemacher Siegfried Ressel rekonstruiert die Geschichte um die Söldner unter „Kongo Müller“, die vor allem auch eine spannende deutsch-deutsche Mediengeschichte ist, die den Zeitgeist des Kalten Krieges und die propagandistische Auseinandersetzung jener Epoche ausleuchtet. In dem aufwendig produzierten Film wird eine Vielzahl von atemberaubenden Fotos und Filmausschnitten gezeigt. Die Protagonisten Gerd Heidemann und Walter Heynowski schildern in eindrücklichen Interviews ihre jeweiligen Erinnerungen. Historiker und Medienwissenschaftler liefern dazu erklärende wie einordnende Kommentare.

Gerd Heidemann, bald 80 Jahre alt, war Starreporter des Stern, die Kongo-Geschichte ist eines seiner Glanzstücke. Das Jahr 1983 war der große Knick in seiner Karriere, als er Kujaus „Hitler-Tagebücher“ als Sensation der Weltpresse präsentierte. Götz George spielte die Figur des Gerd Heidemann in „Schtonk“.

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