Mayotte – neues Inselparadies für Europa

Sonntag, 29. Mai 2011

17:15 – 18.00 SWR
Länder – Menschen – Abenteuer, von Markus Henssler

In Zukunft findet Naturschutz auf Mayotte nach französisch-europäischen Richtlinien statt, aber die müssen die Menschen erst noch kennen lernen und akzeptieren. Wie die Frauen, die traditionell mit Tüchern auf Fischfang gehen und sich erst daran gewöhnen müssen, zu kleine Fische wieder ins Meer zu werfen. Bild: SWR

Mayotte im Indischen Ozean ist eines der letzten unberührten Naturparadiese dieser Welt. Zwischen Afrika und Madagaskar liegt die 370 Quadratkilometer kleine Insel in einer türkisblauen Lagune – umschlossen von einem Ring aus Korallenriffen. Dieses einzigartige natürliche Aquarium ist der Lebensraum vieler seltener und faszinierender Tierarten wie Buckelwale, Delfine und Meeresschildkröten.

Seit April ist Mayotte offizielles Departement Frankreichs und damit ein Teil von Europa. Millionen Euro an Fördergeldern fließen von nun an jährlich in das kleine Inselparadies. Die Hoffnung auf ein Leben wie Gott in Frankreich zieht immer mehr illegale Einwanderer an, die Bevölkerung auf Mayotte wächst in atemberaubendem Tempo.

Für den Bauer und Fischer Abdouh Said sind die Folgen der neuen Verhältnisse in seiner Heimat schon jetzt deutlich zu spüren. Von seiner zwölf Hektar großen Farm kann Abdouh seine sechsköpfige Familie nicht mehr ernähren. Täglich fallen Plünderer über seine Ernte her, sogar seine Stiere und Kühe sind nicht mehr sicher. „Als mein Vater noch lebte, war alles in Ordnung. Es gab keine Diebe, wir haben Manjok und Mango verkauft.“ Auch mit dem Fischfang kann Abdouh inzwischen kein Geld mehr verdienen. „Früher gab es viel mehr und größere Fische in der Lagune“. Deswegen will er umschulen und Touristen durch die Lagune fahren. Die Inselverwaltung wird ihm helfen, ein Boot zu kaufen. Abdouh erwartet viel von Frankreich und Europa – auf jeden Fall ein besseres, sichereres Leben. Europa bekommt dafür ein neues Inselparadies, exotische, fast unberührte Natur.

Bisher war die Insel vor allem in der Parfum-Industrie bekannt. Guerlain lässt hier die Duft-Blüte Ylang-Ylang ernten und auf alte handwerkliche Art destillieren. In Zukunft findet Naturschutz auf Mayotte nach französisch-europäischen Richtlinien statt, aber die müssen die Menschen erst noch kennen lernen und akzeptieren. Wie die Frauen, die traditionell mit Tüchern auf Fischfang gehen und sich erst daran gewöhnen müssen, zu kleine Fische wieder ins Meer zu werfen.

Und auch die Touristen müssen umlernen. Tierschützerin Katia Ballorain kämpft für den Erhalt der Meeresschildkröten rund um die Insel. Die Bestände haben bereits abgenommen. Vor allem am Traumstrand Ngouja im Süden von Mayotte bedrohen immer mehr Touristen die Lebensräume der scheuen Tiere. „Jetzt müssen wir eine Lösung finden, damit weniger Leute hierher kommen.“, sagt Katia Ballorain, „Sonst laufen wir Gefahr, dass dieser Ort einfach zugrunde geht.“

Die Naturschönheiten Mayottes sind noch längst nicht verloren – die Zuschauer besuchen sie zu Lande, zu Wasser und unter Wasser – zusammen mit Menschen, die sie für Europa erhalten wollen.

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