Sambesi – Der donnernde Fluss

Donnerstag, 03. Januar 2013

19.30 – 20.15 Arte
Erlebnis Erde. Von Michael Schlamberger.

Heftige Regenfälle am Flussoberlauf sorgen flussabwärts für riesige Überschwemmungsflächen. An manchen Stellen tritt der Strom über 25 Kilometer weit über die Ufer. Bild: NDR/WDR/ORF/ Schlamberger

Die spektakulären Viktoriafälle locken alljährlich unzählige Besucher an. Doch der Fluss, der sie speist, ist über weite Strecken nahezu unbekannt: Der Sambesi. Noch nie zuvor ist der mächtige Strom so umfassend porträtiert worden wie in dieser Naturfilmdokumentation. (Bild: NDR/WDR/ORF/ Schlamberger)

Der Sambesi durchfließt über 2.600 Kilometer die prächtigsten Ökosysteme des Kontinents und erlaubt einen Blick auf alle klassischen afrikanischen Tierarten. Auf seinem Weg Richtung Osten durchfließt er sechs afrikanische Staaten und verwandelt sich unzählige Male – vom schmalen Rinnsal in ein gigantisches Überschwemmungsgebiet, vom mächtigsten Wasserfall der Welt in eines der üppigsten Feuchtgebiete der Erde. Schließlich vereinigt sich sein Wasser an der Küste von Mosambik mit dem Indischen Ozean.

Auf seiner Reise pumpt der Sambesi unablässig Lebenskraft in die südliche Hälfte des afrikanischen Kontinents, er bestimmt das Schicksal von Milliarden Existenzen. Wenn im November am Flussoberlauf heftige Regenfälle niedergehen, schwillt der Strom gewaltig an. Dann machen sich aus 200 Kilometer Entfernung riesige Gnuherden auf, um in die Schwemmgebiete an den Ufern des Sambesi zu ziehen. Wenn sie dort ihren Nachwuchs zur Welt bringen, beginnt für die ansässigen Hyänenclans eine Zeit des Überflusses.

Während der Regenzeit nimmt der Sambesi eine völlig neue Gestalt an. Die Erde kann kein Wasser mehr aufnehmen, doch vom Oberlauf kommen unablässig zusätzliche Wassermassen hinzu. An manchen Stellen erreicht der Fluss jetzt eine Breite von mehr als 25 Kilometer. Etwas weiter flussabwärts vereinigt sich der Sambesi mit dem Chobe-Fluss, der in der ausgedörrten Landschaft die einzige ständige Wasserquelle ist. Bis zu 120.000 Elefanten kommen hier zusammen – mehr als irgendwo sonst auf der Welt.

Weiter Richtung Osten verlässt der Sambesi das flache, offene Land und erreicht eine Landschaft, die vor Jahrmillionen von Vulkanausbrüchen zernarbt wurde. Die Felsspalten und Basaltrisse in seinem Bett verändern den Charakter des Sambesi, und der mächtige Fluss verwandelt sich in ein aufgewühltes Wildwasser. Mehr als 100 Meter stürzt es über die Viktoria-Fälle in die Tiefe. Hier erreicht das Temperament des Flusses seinen Höhepunkt. Im April rasen in der Minute 550 Millionen Kubikmeter Wasser über den Felsabriss.

Doch Mitte des letzten Jahrhunderts kamen neue Mächte ins Spiel. 1959 wurde die Kariba-Talsperre unterhalb der Viktoria-Fälle fertiggestellt. Durch den Rückstau ist eine riesige Seenlandschaft entstanden. Der Kariba-Stausee ist mit einer Länge von 220 Kilometern der zweitgrößte künstliche See der Welt. Nur vier Becken des Sambesi führen immer Wasser. Diese Wasserstellen sind ein Treffpunkt für viele Tiere, darunter die seltensten Raubtiere des Schwarzen Kontinents: Afrikanische Wildhunde.

Auf seinem letzten Teil der Reise, in Mosambik, nimmt der Sambesi Kurs Richtung Südost. Bevor er auf den Indischen Ozean trifft, verästelt sich der Fluss in ein riesiges Delta aus Mangrovensümpfen mit großen und kleinen Kanälen. Der Bullenhai ist als eines von ganz wenigen Tieren in der Lage, zwischen den Welten aus Salz- und Süßwasser zu pendeln. Vor dem Bau des Kariba Damms wanderten einige Exemplare bis zu 1.000 Kilometer den Fluss hinauf.

Am meisten faszinierte den Filmemacher Michael Schlamberger, wie der Sambesi auf seiner Fließstrecke immer wieder seinen Charakter verändert. Für den Naturfilmprofi war klar, dass sich dieses Phänomen am besten aus der Vogelperspektive dokumentieren lässt – zahlreiche Luftaufnahmen machen den Film zu einem ungewöhnlich spektakulären Sehereignis.

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