I Love Democracy: Kuba


Dienstag, 15. Januar 2013

21.35 – 23.05 Arte
Erstausstrahlung. Dokumentarfilm von Lea Viktoria und Frédéric Vassort.

Verkauf von Che Guevara-T-Shirts. Bild: ARTE France

Von Kuba ist in den Medien selten mehr zu sehen als die bröckelnden Fassaden der Hauptstadt Havanna und die verbeulten amerikanischen Straßenkreuzer aus der vorrevolutionären Zeit. Nun hat sich ein Filmteam kurz vor den kubanischen Kommunalwahlen – zu denen natürlich nur eine einzige Partei antrat – auf eine Reise über die gesamte Insel gemacht und zeigt bislang unbekannte Facetten eines Landes, das vor einem tiefgreifenden Wandel steht. (Bild: ARTE France)

Das kubanische Regime lockert seine Ausreisebestimmungen. So befindet sich der Inselstaat an einem Punkt, an dem sich die Frage nach der Beständigkeit des Castro-Regimes deutlicher stellt denn je. Kuba muss seine Wirtschaft öffnen, um seinen endgültigen Niedergang zu verhindern. Seit einem Jahr ist es den Kubanern erlaubt, selbstständig zu arbeiten und ihre Häuser und Autos zu kaufen und zu verkaufen. Mit diesen “revolutionären” Maßnahmen will Fidels Bruder und Nachfolger Raúl Castro die Inselwirtschaft retten. Doch was bedeutet das für das tägliche Leben der Kubaner?

Die abenteuerliche Reise über die Insel beginnt in Kubas zweitgrößter Stadt Santiago, der Wiege der kubanischen Revolution. Begegnungen mit dem kubanischen Volk geben Einblick in dessen Alltag: Ein Friseur hat sich soeben selbstständig gemacht, eine alleinerziehende Mutter und Beamtin in einem abgelegenen Bergdorf bemüht sich, Familie und Arbeit in Einklang zu bringen, ein ehemaliger Verwaltungsdirektor hat seinen Job gekündigt, um sich der Landwirtschaft zu widmen und ein Priester will die Heilige Jungfrau als Nationalsymbol auf gleiche Stufe mit der Landesflagge stellen.

Auf der Fahrt entlang der Zuckerrohrfelder in Richtung Hauptstadt wird deutlich, welche Mechanismen den ausgebrannten kubanischen Sozialismus am Leben erhalten, und wie der Staat verzweifelt versucht, den unaufhaltsamen wirtschaftlichen Niedergang zu stoppen. Verblüffende Amateurvideos von Systemkritikern und historische Archivbilder ergänzen das Filmmaterial. Einblicke in Krankenhäuser und in eine zum Schulgebäude umfunktionierte Kaserne zeigen, wie weit sich die Realität vom einstigen Traum entfernt hat. Bilder von Geschäften und Märkten dokumentieren das kafkaeske System der Doppelwährung, mit der die Kubaner jonglieren müssen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

[Zusatzinfo] : Im Verlauf der Reise, bei der sich ein kubanischer Begleiter als Helfer wie als Zensor stets in Kameranähe aufhält, veranschaulichen auch die Drehbedingungen die komplexen Strukturen eines politischen Systems, das sich einerseits öffnen muss, andererseits aber um jeden Preis aufrechterhalten werden soll. Ergänzt wird dieses filmische Reisetagebuch durch Gespräche mit kubanischen Politikern und Intellektuellen, etwa mit dem Schriftsteller Eduardo Manet und dem kubanischen Journalisten González Alfonso.

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