Der Sohn des Waffenmachers

Donnerstag, 15. September 2011

00.50 – 02.20 (morgens) Das Erste
(Son of a Lion) Spielfilm Australien/Pakistan 2007

Noch ahnt der Vater Sher (Sher Alam Miskeen Ustad) nicht, dass sein Sohn Niaz (Niaz Khan Shinwari) eigene Pläne für seine Zukunft hat. Bild: ARD Degeto

Der elfjährige Niaz lebt mit seinem Vater in einem pakistanischen Dorf nahe der afghanischen Grenze. Die meisten Menschen des Ortes verdienen ihr Geld mit der Waffenproduktion: Die Herstellung von Pistolen und Gewehren ist ihr täglich Brot. Doch entgegen der Familientradition will Niaz nicht als Waffenbauer das Geschäft seines Vaters übernehmen. Er möchte lieber zur Schule gehen, lesen und schreiben lernen und etwas anderes aus seinem Leben machen. Bei seinem strengen Vater stößt er mit diesen Plänen jedoch auf taube Ohren.

In seinem hochgelobten Dokudrama „Der Sohn des Waffenmachers“ zeichnet der australische Regisseur Benjamin Gilmour ein authentisches Bild vom Volksstamm der Paschtunen, das über die medial vermittelten Klischees hinausgeht.

In Darra Adam Khel, einem Provinznest im nordwestlichen Grenzgebiet von Pakistan, lebt ein elfjähriger Paschtunenjunge namens Niaz (Niaz Khan Shinwari), dessen verwitweter Vater (Sher Alam Miskeen Ustad) als Waffenbauer sein Geld verdient. In dem Dorf ist er nicht der Einzige: Fast die gesamte Bevölkerung des Örtchens lebt von diesem Broterwerb. In Manufakturen stellen Familien alle möglichen Arten von Pistolen und Gewehren her. Probeschüsse von Käufern gehören hier zum alltäglichen Hintergrundgeräusch. Der kleine Niaz soll eines Tages das Geschäft seines Vaters übernehmen, so wie dieser es bereits von seinen Vorvätern übernommen hat. Doch der aufgeweckte Junge hat andere Pläne. Durch die Bekanntschaft mit einem Schriftsteller kommt er mit einem Gut in Berührung, das ihm bis dahin unbekannt war: Bildung. Zusätzlich angeregt durch Briefe seiner Cousine Anousha (Anousha Vasif Shinwari), will Niaz es dieser gleichtun und in Peschawar zur Schule gehen. Für den Vater, einen einfachen Mann ohne jede Bildung, kommt dieser Bruch mit der Familientradition nicht in Frage. Auch von seiner nicht minder konservativen Großmutter (Fazal Bibi) kann Niaz keine Hilfe erwarten. In seiner Not bittet er seinen vergleichsweise progressiven Onkel (Baktiyar Ahmed Afridi) um Unterstützung. Aber auch dieser kann den fundamentalistischen Vater nicht überzeugen. Schließlich läuft der Junge davon.

Das preisgekrönte Dokudrama „Der Sohn des Waffenmachers“ gehört zu den außergewöhnlichen Filmen, die sich mit dem Leben in der muslimischen Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschäftigen. Regisseur Benjamin Gilmour, der Pakistan zunächst durch seinen Beruf als Rettungssanitäter kennengelernt hatte, drehte ausschließlich mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan. Mit der Produktion ging man nicht nur ein künstlerisches Risiko ein: Die Region, eine Hochburg der Paschtunen, ist für Ausländer sehr gefährlich. Und das Provinznest Darra Adam Khel lebt tatsächlich von der Waffenfertigung. In der fiktiven Geschichte des kleinen Niaz lässt Gilmour fortschrittliche Positionen auf konservatives Gedankengut treffen, ohne dabei den fundamentalistischen Vater des wissbegierigen Jungen zu verteufeln. Daneben gelingt dem Filmemacher ein faszinierendes, semidokumentarisches Porträt des von Stammesbräuchen und Traditionen geprägten Lebens. „Der Sohn des Waffenmachers“ verleugnet nicht das tiefe Misstrauen, das viele Menschen dieser Region gegen den Westen hegen. Der Film ermöglicht es aber, ihr Leben und ihre Traditionen mit anderen Augen zu sehen.

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