Die Guantanamo-Falle

Samstag, 03. September 2011

23.00 – 00.30 NDR
Dokumentation, Deutschland/Kanada/Schweiz 2011, Regie: Thomas Wallner

Guantanamo. Bild: NDR

Immer wieder wurde das Internierungslager Guantanamo als Schandfleck der USA beschrieben. Im Zuge des Krieges gegen den Terror hat das US-Militär über eintausend Männer aus mehr als 40 Ländern in dieses Sonderlager verschleppt. Der Film erzählt von vier Menschen, deren Leben von Guantanamo zerstört wurde.

Man nannte ihn den „Taliban aus Bremen“. Fünf Jahre wurde Murat Kurnaz unschuldig in Guantanamo gefangen gehalten, verhört und gefoltert. Über seine Peiniger sagt er: „Sie wollten mich zum Terroristen machen.“ Heute ist er ein freier Mann, doch der anhaltende Terroristen-Verdacht und die Guantanamo-Erfahrung, die er mit niemanden teilen kann und will, haben ihn zu einem einsamen Menschen gemacht.

Diane Beaver war als Rechtsberaterin bei Hunderten Verhören dabei. Sie geriet in die Schlagzeilen als Verfasserin eines Memos, in dem sie auflistete, welche aggressiven Verhörmethoden im geltenden Rechtsrahmen möglich wären. Als ein Ausschuss in Washington die Vorfälle auf Guantanamo untersuchte, versteckten sich Vorgesetzte und Politiker hinter ihr und ließen sie allein. „Ich habe die Schläge für die Regierung eingesteckt“, sagt die überzeugte Patriotin. Sie war bereit, für den Schutz ihres Landes alles zu tun – und wurde dann von ihrer Regierung fallengelassen.

Auch Lieutenant Commander Matt Diaz ging beruflich nach Guantanamo, als Rechtsoffizier. Er schmuggelte eine
Namensliste aus der Militärbasis heraus und schickte sie an eine Anwältin für Menschenrechte. Doch die verriet ihn bei den Behörden. Diaz wurde verhaftet, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und unehrenhaft entlassen. Seinen Beruf als Anwalt darf er nicht mehr ausüben, seine Ehe ging in die Brüche. Heute sagt er: „Ich habe alles für die Mission getan. Alles, außer dieser einen Sache.“

Der spanische Rechtsanwalt Gonzalo Boye vertritt im Verfahren gegen die Bush-Regierung die Anklage wegen illegaler Inhaftierung, Kriegsverbrechen und Folter. Diane Beaver ist als ehemalige Militäranwältin und Beraterin zu Foltertechniken eine von Boyes Zielpersonen. Einige Jahre zuvor wurde Boye selbst von der spanischen Polizei in Madrid gefoltert, nachdem er angeblich einer terroristischen Vereinigung bei einer Entführung geholfen hatte. Er wurde angeklagt und zu 14 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis wurde er Rechtsanwalt. Boye erinnert sich an seine Zeit im Gefängnis, ein Rückblick zwischen Wunsch nach Vergeltung und Nachdenklichkeit.

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